Berlin : Volle Pulle Kölle

Heute: das Köln-Konzert mit den „Höhnern“ und vielen anderen

Christine-Felice Röhrs

Vorab eine Warnung: Dieser Text ist nicht geeignet für Berliner, die Kölner nicht ausstehen können, für Kölner, die Musik nicht mögen, für Menschen, denen Kölsch nichts bedeutet oder solche, die am heutigen Donnerstag schon etwas vorhaben. Tschö ihr, also, wie der Rheinländer sagt. Für alle übrigen: Heute Abend ab 20 Uhr ist großes Köln-Konzert auf dem Platz am Kulturforum nahe dem Potsdamer Platz. Auf der Rockkonzert-großen Bühne (16 mal 22 Meter!) treten auf: die „Brings“ UND die „Paveier“ UND die „Bläck Fööss“ UND! „de Höhner“. Womit dieser Text schon wieder zu Ende sein könnte – wäre da nicht die Notwendigkeit, all jenen, die jetzt ratlos gucken, zu erklären, warum so viele Ausrufezeichen darin stehen.

Zum einen: Dieses Konzert ist eine Premiere. Die Bands – die vier bekanntesten Karnevals- und Volksmusik-Gruppen des Rheinlandes und darüber hinaus – haben selbst in Köln noch nie zuvor alle zusammen gespielt. Zum zweiten: Nachdem die letzten Karnevalsfeten schon Monate zurückliegen und die kommenden noch Monate entfernt sind, könnte das Konzert für (etwa 20 000) Rheinländer in der Diaspora zu einer Art Bergfest werden auf der liederarmen Strecke bis zum 11.11. Fast 4000 Karten sind schon verkauft, schätzt Veranstalter Christof Blaesius.

Nun ist es ja nicht so, dass die Kölner in Berlin so schlimm das Heimweh plagt, dass sie sich wehmütig zusammenrotten, wo es ein bisschen nach Heimat klingt. Berlin macht es niemandem schwer. Was hat es also auf sich mit dem (hier mal vorausgesetzten) Erfolg des Konzerts? Kann ein Kölner das Heimweh jemals überwinden?

Eine kurze Antwort bekommt man darauf nicht. Zumindest nicht, wer den Kölsch-Philosophen und Bonner Friedl Drautzburg fragt, Chef der Rheinländer-Kneipe „Stäv“. Der lehnt sich erst einmal zurück auf dem Barhocker und überlegt: „Ich bin da gespalten“, sagt er, „wie bei jeder anderen Frage auch, ich bin nämlich Zwilling.“ Jugendfreunde dort, die kleine Tochter hier. Überschaubarkeit mit Mittelpunkt dort, aber essen gehen bis morgens um fünf hier. „Da, wo ich bin, da bin ich kritisch“, sagt er schließlich, „und die Stadt, die gerade weit weg ist, die hat diese leichte Vergoldung.“ Was, wie ihm dann aufgeht, eine ziemlich berlinerische Sicht der Dinge ist: hier motzen, aber woanders nix drauf kommen lassen…

Überhaupt. Nach weiteren Umfragen dieser Art sei folgende These hier mal gewagt: Berliner und Kölner sind sich viel ähnlicher, als sie wahrhaben wollen. Beide sind sie zuerst patzig, dann herzlich, in beiden Städten gibt es viele joviale Herren mit einer Vorliebe für dicke Schnauzer, und in beiden Städten gibt es die enervierende Angewohnheit, weibliche Wesen jeden Alters gönnerhaft zu verniedlichen, mit „junge Frau“ oder mit „leev Mädsche“. Das nur als Hinweis, dass sich wahrscheinlich auch Berlingeborene auf dem Köln-Konzert wohlfühlen können.

Tickets für 25 Euro an allen Vorverkaufsstellen und in der „Stäv“, Schiffbauerdamm 8.

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