Berlin : Volle Säle bei Konzerte und Klassik zum Jahreswechsel

Frederik Hanssen

Was zu Silvester im Fernsehprogramm "Dinner for one", ist im Klassik-Betrieb Beethovens "Neunte": Auf jedem Kanal muss James irgendwann an diesem Abend über den Tigerkopf stolpern, in jedem Saal der Stadt muss die Sinfonie mit dem Schlusschor "Freude, schöner Götterfunken" auf dem Programm stehen. "Same procedure as every year". In diesem Jahr macht das Rundfunk-Sinfonieorchester den Anfang: bereits um 15.30 Uhr werden sie im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt Platz nehmen, um unter der Leitung von Jiri Belohlavek Beethovens Meisterwerk anzustimmen. Um 19 Uhr ist dann das Orchester der Deutschen Oper dran, das im eigenen Haus in der Bismarckstraße auftritt. Die musikalische Leitung hat der Generalmusikdirektor des Hauses, Christian Thielemann, höchstpersönlich.

Fast ebenso großer Beliebtheit wie Beethoven erfreut sich zum Jahreswechsel natürlich auch Georg Friedrich Händel. Denn auch er wusste, wie man mit musikalischen Mitteln festlichsten Glanz in Konzertsäle zaubert. Seine "Feuerwerksmusik" hat sich Stefan Bevier ausgesucht, um mit dem Barocktrompeten Ensemble Berlin in der Apostel-Paulus Kirche auf das mitternächtliche Spektakel einzustimmen. Gleich zweimal, um 15.30 und um 20 Uhr, lassen es die Blechbläser hier richtig krachen. Ebenfalls Barockes steht im Schloss Friedrichsfelde (Schaffrath Kammerorchester mit Werken von Vivaldi und Bach, 16 Uhr) und in der Gethsemanekirche (Berliner Virtuosen Ensemble mit Bachs "Brandenburgischen Konzerten", 18.30 und 21 Uhr) und in der St. Marien Kirche (Orgelkonzerte von Händel, 20 Uhr) auf dem Programm.

Während sich das Berliner Philharmonische Orchester die Philharmonie und den Kammermusiksaal Silvester komplett für ihr großes Fest reserviert haben, ist der schöne Schauspielhaussaal zu Silvester gleich dreimal belegt: Nach dem Nachmittagskonzert des RSB betritt hier um 19 Uhr das Berliner Sinfonie-Orchester die Bühne, um unter der Leitung von Eliahu Inbal Josef Haydns Oratorium "Die Schöpfung" zu spielen - auch keine schlechte Idee am Jahrtausendende... Wer klassische Musik sogar bis zum magischen Mitternachtsmoment erleben will, kann dies in Gesellschaft des Jeunesses Musicales Weltorchester tun: Das Jugendorchester, in dem sich jedes Jahr im Dezember Nachwuchsmusiker aus vierzig Nationen zusammenfinden, um in Berlin Konzertprogramme zu erarbeiten, bietet unter der Leitung des Musikchefs der Komischen Oper, Yakov Kreizberg, ein Potpourri von Wagners "Meistersinger"-Ouvertüre bis zu Ravels "Bolero". Gegen Mitternacht können die Gäste während einer Pause das neue Jahr begrüßen, während Blechbläser des Orchesters spielen.

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