• Vollsperrung Unter den Linden – nicht einmal die Polizei kam durch Heute erneut Verkehrsbehinderungen: Israels Präsident nennt Straße nach Yitzhak Rabin

Berlin : Vollsperrung Unter den Linden – nicht einmal die Polizei kam durch Heute erneut Verkehrsbehinderungen: Israels Präsident nennt Straße nach Yitzhak Rabin

Jörn Hasselmann

Verkehrsfunk oder Tageszeitung halfen am Mittwoch nicht. Ohne Ankündigung sperrte die Polizei gestern um 11.54 Uhr die Straße Unter den Linden. Dort aßen die Teilnehmer der OSZE-Antisemitismus-Konferenz in der Staatsoper zu Mittag, darunter Israles Präsident Moshe Katzav, einer der weltweit gefährdetsten Politiker. Morgen soll sich diese Sperrung nun wiederholen, voraussichtlich von 6 bis 14 Uhr. Der Verkehrswarndienst, der eigentlich Zeitungen und Hörfunk mit solchen Verkehrshinweisen beliefern soll, hatte den Befehl erhalten, die Sperrung der Linden nicht zu melden. Die BVG erhielt erst am Vormittag um 10.30 Uhr einen knappen Anruf der Polizei, dass die Buslinien eingestellt werden müssen. Die Straße Unter den Linden blieb dann bis 15 Uhr gesperrt.

Und die Blockade zwischen Friedrichstraße und Spandauer Straße war total. In Höhe des Reiterdenkmals FriedrichsII. hatte eine Hundertschaft aus Gelsenkirchen eine Art Wellenbrecher aufgebaut: Mannschaftswagen Stoßstange an Stoßstange in V-Form. Niemand durfte passieren, auch Nachbarn nicht, und selbst Polizeiautos mussten umdrehen.

Gegen 12.30 Uhr stoppte eine gepanzerte Limousine des Bundeskriminalamtes, heraus sprang ein Beamter: „Ich hab’ in einer halben Stunde den spanischen Außenminister dabei.“ Es half nichts: Anfahrt nur von der anderen Seite. Der BKA-Beamte telefonierte mit dem Handy, um mit seinen Kollegen abzusprechen, wie der Minister vor der Oper vorfahren könne. „Das hätte man ja absprechen können“, lästerte ein Berliner Polizist, der die Szene beobachtet hatte. Ein anderer formulierte es so: „Wenn die Amerikaner sagen, wir machen das so, dann machen wir das so.“

Während im Ostteil der Stadt also US-Außenminister Powell den Verkehr stoppte, war es zur gleichen Zeit im Westen der israelische Staatspräsident Moshe Katzav. Der wurde gestern nach seiner Ankunft um 15.30 Uhr im Schloss Bellevue von Bundespräsident Rau empfangen. Deshalb wurde der Verkehr auch in der Paulstraße und in der John-Foster-Dulles-Allee gestoppt – ebenfalls unangekündigt.

Am heutigen Donnerstag geht es ähnlich weiter. Wie berichtet wird Staatspräsident Katzav viel in der Stadt unterwegs sein. Heute benennt er im Tiergarten den nördlichen Teil der Entlastungsstraße nahe des Kanzleramtes in Yitzhak-Rabin-Straße um. Der frühere israelische Ministerpräsident Rabin wurde 1995 bei einer Friedenskundgebung ermordet. Anschließend nimmt Katzav an einer Gedenkfeier am Bahnhof Grunewald teil.

Dort wurden während der Nazi- Zeit von Gleis 17 Tausende Juden in die Vernichtungslager transportiert. Für diese Veranstaltungen wird die Umgebung schon Stunden zuvor weiträumig abgesperrt; auch Anwohner kommen dann nicht mehr durch.

Verkehrsbehinderungen wird es immer auch dann geben, wenn die je 40 bis 50 Fahrzeuge umfassenden Kolonnen von Katzav und Powell – beides Politiker mit der höchsten Gefährdungsstufe 1 – in der Stadt unterwegs sind.

Bis Freitagnachmittag werden die Budapester Straße und die Stülerstraße gesperrt bleiben, da die Staatsgäste im Hotel Intercontinental wohnen. Powell verlässt die Stadt heute, Katzav morgen.

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