Berlin : "Vom Adler zum ICE": Mit der Lok durch die Mini-Toskana

Steffi Bey

Wer am kräftigsten in die Pedale tritt, ist der schnellste Zugführer. Doch wen auf dem Hometrainer die Lust verlässt, der bringt die Lok zum Stehen. Dann zischt nichts mehr und auf den Schmalspurschienen bleibt es ruhig. Dass das in den kommenden Tagen passieren könnte, hält Norbert Haim allerdings für ziemlich unwahrscheinlich. Denn schon als er seine Modelleisenbahn im Foyer des Freizeit- und Erholungszentrums (FEZ) Wuhlheide aufgebaut hat, war der Andrang an den drei Fahrrädern groß. "Die Kinder sind ganz wild darauf und jeder will die größte Geschwindigkeit erreichen", sagt der 64-jährige Charlottenburger.

Zur Probe lässt er eine rote Lok auf der Anlage kreisen. Sechs Züge können gleichzeitig auf dem acht mal sechs Meter großen Feld bewegt werden. Im Vergleich zum Spitzenreiter auf Berlins größter Modellbahn-Ausstellung, ist das aber nur ein Klacks. Denn die Hobbyeisenbahner aus Jena lassen auf ihrem 350 Meter langen Gleis bis zu 40 Züge fahren. Die dampfbetriebenen Gefährte rollen über Brücken und durch Wohngebiete bis sie vorsichtig an überfüllten Bahnsteigen zum Halten kommen. Die Besitzer der 16 Meter langen Phantasielandschaft setzen auf Details: So wurde beispielsweise ein Stellwerk nachgebaut, dass sich tatsächlich in Erfurt befindet. Und ein Lokschuppen aus Gera steht unweit einer Zementfabrik, die es einst in Thüringen gab.

Auch zwischen den Schienen pulsiert das Leben. Eine Seilbahn schwebt über dem Gebiet und eine alte Straßenbahn bringt ihre Fahrgäste ans Ziel. "Vor genau 15 Jahren haben wir mit dem Aufbau der Modellbahn begonnen", sagt Sven Emmrich - und seufzt: "So richtig fertig wird sie wohl nie werden." Als nächstes soll die Strecke elektrifiziert werden und zusätzlich moderne E-Loks fahren. Schon jetzt lotsen sechs "Eisenbahner" gleichzeitig an drei Schaltpulten die Züge über die Strecke.

Zu den besonderen Ausstellungsstücken gehört das Modell der Gustav-Heinemann-Oberschule aus Marienfelde. Die Jugendlichen haben einen Teil des Berliner S-Bahnnetzes nachgebaut, mittendrin der Bahnhof Zoo. Nach Fahrplan verkehren die Züge allerdings nicht. "Wir düsen lieber individuell, das macht mehr Spaß", sagt der 19-jährige Boris Nüske.

Wie auch die anderen Aussteller der insgesamt 25 Modellbahnanlagen ist ein Club aus Werneuchen gekommen, um Erfahrungen auszutauschen. Frank Tinius, der die Ausstellung bereits zum dritten Mal organisiert hat, zeigt sich zufrieden. "Neben den Modellen aus unserer Region werden amerikanische, polnische und italienische Landschaften gezeigt", sagt der FEZ-Mitarbeiter. Er selbst hat sich für die Toskana entschieden: Alte Gebäude mit teilweise fleckigen Fassaden, Berge, ein Friedhof und die typisch blauen italienischen Bahnhofsschilder. Gleich nebenan stehen mehrere Vitrinen, in denen namhafte Hersteller Neuentwicklungen vorstellen. Wer Lust zum Basteln bekommt, ist im Foyer genau richtig. Dort können Häuser, Figuren und Fahrzeuge unter fachkundiger Anleitung gebaut werden.

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