Berlin : Vom Affen geküsst

Bei „Bild“ wurde tierisch gefeiert. SPD und ZDF luden zum Sommerfest

Matthias Oloew

STADTMENSCHEN

Volksnah soll eine Boulevardzeitung idealerweise sein. Mit ihrem Sommerfest am Dienstagabend zeigte „Bild“, dass sie weiß, was Nähe bedeutet. Chefredakteur Kai Diekmann und Springer-Vorstand Mathias Döpfner begrüßten ihre rund 800 Gäste zu dem, was derzeit im Volk geradezu zum Sport geworden zu sein scheint – zum Grillen im Tiergarten nämlich. Ja, da staunt der Berliner, noch dazu, weil das Ganze auf dem Gelände des Gartenbauamts des Bezirks Mitte stattfand, also vor den Augen der Parkwächter, die das Grillen im Park in seine exakt definierten Schranken weisen möchten.

Aber der Springer-Verlag hält sich natürlich an alle Regeln, weshalb das Brandenburger Jungschwein nicht als Ganzes, sondern bereits portionsweise zerteilt auf den Grill kam. Das schmeckte dem ZDF-Mann und Bild-Kolumnisten Peter Hahne besonders gut, während Rudolf Scharping und seine Frau Gräfin Pilati gar nicht erst in den Genuss kamen, sich beim Grillstand in die Schlange einzureihen. Der erste öffentliche Auftritt der beiden seit langem war natürlich ein gefundenes Fressen für die Kameraleute und Fotografen. Auch Klaus Wo wereit hakte sich da gerne bei den beiden ein, um artig für die Journalisten zu lächeln. Ex-Minister Scharping genoss die Aufmerksamkeit sichtlich und ließ sich sogar noch vom Fernseheaffen Charly knutschen.

Weniger blitzlichtumflimmert: Joschka Fischer , der kurz vorbeischaute, auch um die offiziellen Honneurs der Bundesregierung zu machen, schließlich hatte der Kanzler zuvor abgesagt. Gerhard Schröder feierte zur gleichen Zeit en famille beim Hoffest der SPD-Bundestagsfraktion in Mitte. Dort traf er seine Frau Doris, die zuvor bereits die Mitglieder des Diplomatenclubs „Willkommen in Berlin“ empfangen hatte. Außerdem in Feierlaune: Verteidigungsminister Peter Struck , der mit Hut und dunkler Brille einen prima Blues Brother abgab.

Bei der „Bild“-Fete hielt derweil Innenminister Otto Schily die Stellung, auch Gesundheitsministerin Ulla Schmi dt und Bildungsministerin Edelgard Bulmahn waren da, von den Grünen Angelika Beer , von der CDU Angela Merkel und Friedrich Merz und von der FDP Guido Westerwelle , der sich bei frisch Gegrilltem mit Udo Walz austauschte. Das taten auch die Moderatorinnen Sandra Maischberger und Maybrit Illner , die vor lauter Plauderei gar nicht dazu kamen, sich wirklich ins Getümmel zu werfen. Sie blieben gleich beim Eingang stehen und redeten und redeten. Es gibt auch viel zu erzählen, denn Maischberger wechselt in die ARD, also einem ähnlichen Sendeplatz, wie ihn Maybrit Illner mit „Berlin Mitte“ schon hat.

Es war ein entspanntes Sommerfestchen, das den kommenden Start in die parlamentarische Sommerpause andeutet, schließlich wird in dieser Woche weitergefeiert: unter anderem am Donnerstag beim „Stern“. Man sieht sich also. Und tauscht sich aus, wann es nun genau in die Sommerferien geht. Klaus Wowereit sitzt schon quasi auf gepackten Koffern. Am Wochenende zieht es ihn nach Köln (nicht nur, aber auch wegen des dortigen Christopher Street Days, auf dem er einen Preis erhält), und dann startet er am kommenden Montag in den Urlaub.

Schon Mittwochabend ging der Reigen der Mediensommerparties weiter – über 3000 Gäste feierten mit dem ZDF auf der Museumsinsel. Thomas Gottschalk hatte der Sender eigens einfliegen lassen, und auch der Bundeskanzler schaute vorbei. Gerhard Schröder wurde in einem Festzelt etwas abseits vom Rummel gelotst, in dem bis dahin als einzig wirklich prominenter Dieter Hallervorden saß. Draußen tummelte sich derweil viel Polit-Prominenz und kaufte sich Lose der Tombola für zehn Euro das Stück. Der Hauptpreis: Ein Smart Roadster. Mit dem Erlös soll die Restaurierung der Statue des Antinoos unterstützt werden. Die griechische Statue aus der Antikensammlung war seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zu sehen, so schwer beschädigt ist sie. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul kaufte eine Hand voll Lose, um sie gleich weiterzureichen an eine der vielen Servicekräfte: „Ich drück die Daumen“, sagte die Ministerin.

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