Berlin : Vom Finanzbeamten zum Betrüger

Mit Steuertricks kannte er sich aus: 37-Jähriger ergaunerte sich ein Luxusleben

Kerstin Gehrke

Berlin - Der einstige Finanzbeamte kaufte einen Rolls Royce, legte sich Designermode zu und betrieb einen Escort-Service. Mit rechten Dingen aber ging das aus Sicht der Ermittler nicht zu. Der 37-Jährige soll auf Kosten der Steuerzahler gelebt haben. Laut Anklage erschlich er mit gefälschten Mitteilungen an Finanzbehörden in Berlin und Hessen satte Steuererstattungen. Matthias D. soll den Fiskus um rund 272 000 Euro geprellt haben. Das brachte den Ex-Beamten im November in Haft und nun vor Gericht.

In Handschellen wurde der modisch- lässig gekleidete Mann mit Bart und dunkler Lockenpracht in den Saal geführt. Für Matthias D. ist die Rolle als Angeklagter nicht neu. Er kennt sie aus Thüringen. Dort war er erst aus dem Dienst entlassen und dann angeklagt worden. Ende 2007 wurde er wegen Steuerbetrugs zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. D. blieb zwar in Thüringen gemeldet und bezog dort Hartz IV, doch Ermittlungen zufolge lebte er fortan in Berlin.

Verdächtig ähnlich sind die Vorwürfe von damals und heute. Der frühere Beamte soll sich auf die Anklage KAP zur Einkommenssteuer-Veranlagung „spezialisiert“ haben. Er erfand nach Überzeugung der Ermittler eine Firma mit Sitz in Hamburg, die angeblich nur Miese erwirtschaftet und damit Verluste für ihre Anleger verursacht hatte. 13 entsprechende Mitteilungen eines Hamburger Finanzamtes an Behörden in Berlin und Frankfurt am Main habe er gefälscht. Als Steuerpflichtige mit vorgetäuschtem Anspruch auf Erstattung sollen drei Komplizen aufgetreten sein. Das Geld sei geteilt worden, „wobei der Angeklagte jeweils mindestens die Hälfte für sich vereinnahmte“, glauben die Ermittler.

Matthias D. blieb ruhig, als Fahnder nach einem anonymen Hinweis im Sommer 2009 bei ihm auftauchten. Sie fanden in der Maisonette-Wohnung in Prenzlauer Berg einen Kaufvertrag über eine Luxuslimousine, hochwertige Computer, Schmuck und teure Kleidung. Die Dinge passten nicht zum Lebensstandard eines Hartz-IV-Empfängers mit einem Escort- Service, der angeblich noch kein Gewinn brachte. D. aber behauptete, der Rolls Royce sei auf einen Freund zugelassen und mit dem Geld vom Großvater bezahlt. Er will sich das Auto nur hin und wieder für seinen Service geliehen haben. Vor Gericht schwieg der Ex-Beamte.

Der Prozess geht am 17. Februar weiter. Kerstin Gehrke

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