Berlin : Vom Geheimbunker zum Feriendorf Architekt baut auf früherem Stasigelände

eine große Urlauberanlage am See von Alt Madlitz

Claus-Dieter Steyer

Alt Madlitz – Auf die Hirsche und Rehe konnte sich der Geheimdienst verlassen. Die Tiere begnügten sich mit dem Futter, wagten keinen Ausbruchsversuch aus ihrem Gehege und gaben vor allem genügend Körperwärme ab. Das war entscheidend für die Tarnung der unterirdischen Stasi-Bunker am Alt Madlitzer See bei Fürstenwalde in Ostbrandenburg. Mit ihren Ausdünstungen mussten die Tiere von den Militärbauten ablenken. Niemand sollte bei Auswertung von Luftbildern ahnen, bei den Wärmeflecken könnte es sich um Belüftungsgeräte in Bunkern handeln.Im Kriegsfall hätte sich die Stasi-Bezirksverwaltung Frankfurt (Oder) in den Wald von Alt Madlitz zurückgezogen. Später wurde hier eine abgeschirmte Erholungs- und Schulungsstätte gebaut.

Heute werden solche Geschichten nur noch auf der Seeterrasse des nahen Hotels oder am Biertisch des neuen Ausflugslokals „Klosterscheune“ erzählt. Auf dem alten Stasi-Gelände entsteht ein anspruchsvolles Feriendorf. Der Initiator des Projekts spricht mit so viel jugendfrischer Begeisterung über sein Projekt und die bereits eröffneten Bauten, dass die angegebenen 78 Lebensjahre als recht unwahrscheinlich erscheinen. Aber der Düsseldorfer Architekt Walter Brune hält sich mit solchen Überlegungen nicht lange auf. Mit schnellen Schritten nimmt er die Treppe zum rekonstruierten Forsthaus, das heute vier Wohnungen mit Blick auf die gegenüberliegenden Pferdeställe bietet. Mieter werden noch gesucht.

Gleich gegenüber steht die große Reithalle, die auf Fundamenten der alten Kegelhalle der Stasi-Bungalowsiedlung entstand. Brune wagt einen erstaunlichen Vergleich. „Sie ist für unser Feriendorf so etwas wie der Kölner Dom“, sagt Brune. „Als wir vor einigen Jahren auf dem alten Stasi-Gelände anfingen, schlugen uns viele Zweifel entgegen. Man traute uns in der Gegend wohl nicht zu, unser Projekt zu verwirklichen. Nun zeigen wir, dass wir schrittweise vorankommen.“ Die Skepsis hatte ihren Grund. Denn als Walter Brune vor vier Jahren das geheime Gelände rund um die Alt Madlitzer Mühle von der Treuhand kaufte, hatten touristische Großprojekte in Brandenburg kaum noch Chancen auf öffentliche Fördermittel. Das Geld der Steuerzahler steckte in vielen kleinen und großen Hotels, in Spaß- und Kurbädern, in Hafendörfern oder im dichten Netz von Rad- und Skaterwegen. Außerdem gehörte die Gegend in Ostbrandenburg keineswegs zu den gefragtesten Ausflugszielen.

Doch der Architekt hatte Gefallen an der Lage gefunden, nicht zuletzt wegen der vielen Geheimnisse. Brune war auf Alt Madlitz gestoßen, weil er das dortige Schloss im Auftrag des Alt-Eigentümers Karl Wilhelm Graf Finckenstein ab 1996 renovierte. Da hatte er erfahren, dass sich Wehrsportgruppen und dubiose Sekten für das Gebiet interessierten. „Das wollte ich unter allen Umständen verhindern“, erzählt Brune. „Also legte ich los.“ Zwölf Millionen Euro hat er bisher investiert, davon stammten 90 Prozent aus eigenem Vermögen. Natürlich hätte er sich über Fördermittel gefreut, er habe ja auch schon 35 Arbeitsplätze geschaffen. „Aber die Behörden unterstützen uns einfach zu wenig“, klagt er.

Dennoch zeigt der Architekt auf dem Modell schon die nächsten Schritte: ein Konferenzzentrum mit verschiedenen Zimmern und Sälen, ein Veranstaltungssaal für 200 Personen, ein Kreativ- und Kulturhaus mit Schwimmbad und Wellness-Center sowie 30 Ferienhäuser in der Nachbarschaft des 15-Zimmer-Hotels im ehemaligen Fischerhaus. Zweifel an der Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Alt Madlitz lässt Brune nicht mehr zu. Ausflügler können sich schon heute davon überzeugen.

Alt Madlitz liegt östlich von Fürstenwalde und in der Nähe des als Hotel eröffneten Schloss Steinhöfel. Es ist über die Ausfahrt Fürstenwalde-Ost der Autobahn A 12 Berlin - Frankfurt (Oder) und die Landstraße über Briesen zu erreichen.

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