Berlin : Vom Messedamm zum Mittelmeer

Berlin verkauft wieder Liegenschaften – und wirbt damit auf der Immobilienmesse in Cannes.

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Spieglein, Spieglein. ICC und Funkturm sind in der Heckscheibe des Autos zu erkennen, das auf der anderen Straßenseite parkt. Dort soll bald gebaut werden. Foto: Mike Wolff
Spieglein, Spieglein. ICC und Funkturm sind in der Heckscheibe des Autos zu erkennen, das auf der anderen Straßenseite parkt. Dort...

17 Grad und Sonne – im südfranzösischen Cannes herrscht Frühlingswetter. Das hebt die Stimmung des Berliner Chefverkäufers für landeseigene Liegenschaften Holger Lippmann. Der Fondschef ist wie Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und die Chefs von 20 Immobilienfirmen ans Mittelmeer gereist, um Berliner Liegenschaften auf Europas größter gewerblicher Immobilienschau zu verkaufen. Im Mittelpunkt des Fondsangebot stehen eine Baufläche für 350 Wohnungen an der Otto-Braun-Straße unmittelbar am Alexanderplatz und ein Parkplatz am Messedamm, der mit einem Hotel bebaut werden kann.

2000 Grundstücke quer über die Stadt verteilt hat das Land im Angebot. Und lange wurde darüber gestritten, wozu diese am besten eingesetzt werden: um den Wohnungsbau zu fördern, um Firmen beim Bau ihrer Niederlassung zu fördern, um neue Kitas, Schulen oder Kultur- und Kiezprojekte unterzubringen – oder um die Landeskassen zu füllen durch einen Verkauf an den Meistbietenden. Wegen dieser Auseinandersetzung war die Vergabe landeseigener Flächen gestoppt. Nun kommt wieder Schwung in die Berliner Liegenschaftspolitik.

Ein gutes Dutzend Unternehmer können sich freuen: Auf Drängen von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hat ihnen der politisch gelenkte „Steuerungsausschuss“ des Liegenschaftsfonds am Montag sieben landeseigene Flächen für ihre Betriebe zugesprochen. Rund 45 Arbeits- und neun Ausbildungsplätze werden so gesichert. Weitere elf Grundstücke könnten in der nächsten Sitzung am 10. April vergeben werden. Dabei handelt es sich laut Fondschef Holger Lippmann überwiegend um Bauland in Lichtenberg, Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen. Bewegung gibt es aber auch im Geschäft mit landeseigenen Bauflächen in der Innenstadt: Ein Grundstück gegenüber dem ICC steht bereits zum Verkauf, ein weiteres am Alexanderplatz soll bald feilgeboten werden.

Die Baufläche am ICC hatte der Fonds schon einmal verkauft. Doch das war vor der Finanzkrise, die den damaligen Erwerber in Turbulenzen brachte. Die Verträge wurden vor zwei Jahren aufgelöst. Doch es kamen mehrere neue Interessenten, deshalb wurde neu ausgeschrieben. Von einem „schwierigen Grundstück“ spricht Fondschef Lippmann, weil die Einfahrt zum Kongresszentrum unter dem Bauland liegt. Bis Ende März läuft die Bewerbungsfrist.

Zuversichtlich ist Lippmann, dass das Grundstück an der Otto-Braun-Straße in Mitte verkauft werden kann. Seit der Finanzkrise ist die Nachfrage nach vermeintlich krisenfesten Immobilien in wirtschaftlich soliden Gebieten stark gewachsen. In Berlin locken Wohnungsbauten die Investoren. Das Grundstück mit Platz für 350 Wohnungen am Alex dürfte begehrt sein. Dass der Fonds nicht gleich einen Start des Bieterverfahrens in Cannes ankündigt, liegt daran, dass die neuen Kriterien für den Verkauf landeseigener Flächen nicht abschließend abgestimmt sind. Den Verkauf der Gewerbeflächen an die Unternehmen konnte das trotzdem nicht stoppen. Dafür liegen die Grundstücke nicht zentral genug. Zudem könnten die Firmen mit Arbeitsplätzen und Steueraufkommen wegziehen – nach Brandenburg. Ralf Schönball

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