Berlin : Vom Privatjet direkt ins Luxusbett

Eine First-Class-Privatklinik im Flughafen Tempelhof wäre eine Riesenchance für Berlin, sagt ein Krankenhausarchitekt. Weil man so reiche Ausländer lockt

Ingo Bach

„Das wäre eine Super-Chance für Berlin!“ Der Krankenhausplaner Gunnar Dennewill vom Architekturbüro TMK ist von der Idee, im Flughafen Tempelhof eine Luxushospital einzurichten, begeistert. „Eine Klinik mit eigenem Flughafen im Innenstadtbereich einer Metropole, das wäre europaweit einmalig.“

Denn die angepeilte Kundengruppe – der internationale Jetset – fliege gern mal mit der ganzen Familie im Privatflugzeug ein. Dieser Wettbewerbsvorteil ist aber umstritten. Der Chef der privaten Meoclinic an der Friedrichstraße, Heinz Zurbrügg, sieht ihn wie berichtet als weniger entscheidend an. Wichtiger sei ein großer internationaler Flughafen, wie er jetzt in Schönefeld entstehe. „Die internationalen Patienten kommen seltener über einen Regionalflughafen.“

Die betriebswirtschaftlichen Diktate, denen sich Betreiber von normalen Krankenhäusern unterwerfen müssten, wären für eine reine Luxusklinik jedoch außer Kraft gesetzt. Große Entfernungen zwischen den Abteilungen – also lange Krankenhausflure etwa, wie sie im Tempelhofer Flughafengebäude wahrscheinlich nicht zu vermeiden wären – sind für Klinikbetreiber ein Graus, bedeuten sie doch einen höheren Personalbedarf. Doch für das Luxussegment, wo sich die Patienten alles leisten könnten, sei ein höherer Personalschlüssel nicht nur nicht schädlich, sondern sogar nötig, sagt Klinikarchitekt Dennewill. „Luxuspatienten erwarten eine sehr intensive Betreuung.“

Allein durch seine Ausmaße sei das Flughafengebäude für alles geeignet. „Technisch ist der Umbau für Klinikbedürfnisse problemlos – wenn genug Geld da ist“, sagt Dennewill. Wenn dazu noch Shopping-Möglichkeiten, Kulturangebote oder ein Luxushotel in das Gebäude integriert werden – „Platz genug ist da ja!“ –, dann sei dies ein weit ausstrahlender medizinischer Anziehungspunkt.

Üblicherweise bauen Klinikträger lieber einen Neubau auf die grüne Wiese, als einen Altbau für die modernen Krankenhaus-Bedürfnisse umzukrempeln. Denn der Umbau eines Krankenhauses bei laufendem Betrieb ist enorm aufwändig und teuer. Doch in Tempelhof sei ja keine bestehende Klinik zu modernisieren, sondern quasi eine neue zu errichten, sagt Dennewill, der zur Zeit den Klinikneubau betreut, den der private Helios-Konzern für 200 Millionen Euro in Berlin-Buch baut.

Abgesehen von den architektonischen Finessen: Braucht Berlin, das mit mehr als 70 Krankenhäusern als überversorgt gilt, überhaupt eine weitere Klinik? Ja, aber nur dann, wenn sie nicht in der Region um Patienten zu buhle, sagt ein Berlin-Werber, der nicht namentlich genannt werden will. „Den Kuchen neu verteilen zu wollen, macht keinen Sinn - aber wenn er vergrößert werden kann, sprich wohlhabende Patienten aus aller Welt angelockt werden, dann ist ein solches Projekt sehr gut für Berlin.“ Und sogar für die Berliner Krankenhäuser, zum Beispiel dann, wenn die Luxusklinik am Flughafen Patienten für hochspezialisierte Behandlungen weiter vermittelt – etwa an die Charité oder ans Herzzentrum.

Die Stadt könnte ohne Mühe mehr ausländische Patienten verkraften. Im Durchschnitt beträgt deren Anteil nicht mal ein Prozent. Verglichen mit anderen Regionen ist da noch jede Menge Potenzial.

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