Berlin : Vom Restaurant ins Museum

Letztes Mobiliar des Lindenhotels verschenkt – auch ans Zeughaus

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Irgendwie wird das Hotel Unter den Linden weiterleben, mit seinen letzten Resten: Als Stuhl, als Lattenrost, Matratze, Tisch oder Lampe, oder als großes, buntes Wandbild. Im Studentendorf Schlachtensee etwa, in der Notübernachtung und dem Tagescafé einer Straßenzeitung in der Prenzlauer Allee. Oder auch im Zeughaus des Deutschen Historischen Museums , nur ein paar Schritte entfernt.

Das nun fast abgewrackte Hotel ist spätestens morgen, wenn auch die letzten verwertbaren Reste ausgeräumt sind, mausetot. Am Montag beginnt die innere Demontage, ab April der „Rückbau“, aber ganz behutsam, wie Projektleiter Tobias Krause-Mirus von der MEAG gestern versichert. Die Munich Ergo Asset Management GmbH, die an der Ecke Friedrichstraße nach der Fußball-WM mit dem Bau eines Büro- und Geschäftshauses beginnen will, hat gestern sozial Gutes getan: Sie hat zehn Sozialeinrichtungen erlaubt, sich Brauchbares aus dem übrig gebliebenen Mobiliar auszusuchen. Die Sozialprojekte haben das gern und dankbar getan. Und die Leute von der MEAG, aus München angereist, waren fast peinlich berührt, weil so viel – aus ihrer Sicht – gar nicht mehr im Haus zu holen war. Auch Mitarbeiter des Hotels hatten sich vorab noch bedient.

Selbst die Leute vom Deutschen Historischen Museum zeigen Interesse. Das Wandbild im Restaurant hat sie angelockt, der Maler Manfred Kandt steuerte es 1967 zur Eröffnung bei. Es stellt die gegenüberliegende Straßenecke mit dem Café Bauer um 1912 dar. Die MEAG zeigt sich spendabel, das Bild wird bald im Restaurant des Zeughauses zu sehen sein. Der Neffe des verstorbenen Malers ist gestern auch dabei, freut sich über die späte Ehre für den Künstler. Dann sagen die Investoren zum Abschied, dass man über den Abriss nicht traurig sein müsse. Altes müsse eben Neuem weichen. Reste bleiben ja erhalten. C. v. L.

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