Berlin : Vom Schülerzeitungsredakteur zum Autor - Beim Schreibwettbewerb winken Preise

Annette Kögel

Bücherlesen macht also Sinn - trotz Internet-Zeitalters. "Ein Buch bietet dir wie kein anderes Medium die Möglichkeit, beim Lesen über dich selbst nachzudenken. So, wie es keine CD und kein Film vermag." Davon ist der Friedrichshainer Autor Andreas Merkel überzeugt. Literatur bietet zudem die Chance, Dinge auszudrücken, die man mit dem gesprochenem Wort so nicht vermitteln kann. Das haben die über 80 Jugendlichen, die zum Schreibworkshop des Online-Buchhändlers "Booxtra" in den Konferenzraum des Tagesspiegels gekommen sind, schon selbst erlebt. Vieles andere, was sie während des Seminars mit Entertainmentqualität von Verlags-Insidern erfuhren, war aber neu. Kein Wunder, dass einige Teilnehmer nach drei Stunden immer noch nicht genug hatten.

Fast alle der Tagesspiegel-Gäste beim Finale der bundesweiten "Booxtra"-Veranstaltungsreihe engagieren sich bei einer Schülerzeitung, fast alle schreiben aber auch Texte nur für sich selbst. Und liebäugeln teils mit dem Gedanken, sich später mal als Buchautor zu versuchen. Die schlechtesten Gutachter hausgemachter Literatur sind jedenfalls Freunde und Familie, warnt der Münchener Lektor der "Lemon"-Taschenbuchreihe beim Knaur-Verlag, Timothy Sonderhüsken. "Sie sind entweder befangen oder überkritisch." Empfehlenswert sei es hingegen, zu einem Buchhändler in den Laden zu gehen und ihn zu befragen, zu welchem Verlag das Thema am ehesten passe. Dann aber die Seiten keinesfalls direkt dorthin schicken, sondern eher über einen Agenten persönlichen Kontakt zum Lektor aufnehmen.

Er selbst kam über eine kaufmännische Verlagslehre und Radio-Moderation über Umwege zum Lektoren-Job, "in dem man keine Privatleben haben darf, dafür aber lieber sieben Tage die Woche 14 Stunden arbeitet", wie Sonderhüsken mit einem Augenzwinkern warnt. Aber es geht auch konventionell, über Praktika: Sie seien zwar schlecht bezahlt, aber ein Sprungbrett ins Berufsleben. "Soll man denn bei der Bewerbung mit Preisen aufschneiden, die man bekommen hat?", fragte die 17-jährige Natalie Spießer-Grunow aus Zehlendorf. Klar, entgegnet Timothy Sonderhüsken. Aber wenn man etwas übertreibt, dann bitte so, dass keiner einen entlarven kann. Der Mann am Mikrofon macht den auf Tischen und Stühlen Versammelten schnell deutlich, dass es im Verlagswesen um ein knallhartes Geschäft geht. "Ein Buch ist ein Produkt, das vermarktet werden muss."

Daher auch dieses "Kuschelrock"-Layout des Andreas-Merkel-Jugendromans "Große Ferien" - "obwohl sich dahinter echter Hardrock verbirgt", wie der Wahl-Berliner sein Werk outet. Er sei schon ein wenig enttäuscht, dass das Buch optisch und per Klappentext als Soap-Opera präsentiert wird - die junge Zielgruppe im Raum pflichtet ihm mit Applaus bei. Die 19-jährige Julia Büttner vom Rückert-Gymnasium und Moritz Reulens vom Friedrich-Ebert-Gymnasium befürchten, dass es die anvisierte Leserschaft mit Tiefgang nicht erreichen könne. Dafür lassen sich aber viele Jugendliche das Buch signieren - oder bitten Andreas Merkel gleich zur Lesung in die Schule, wie die Schülerinnen vom 4. Gymnasium Marzahn.

Timothy Sonderhüsken redet viel über Trends und Marketing. Andreas Merkel hält dagegen und hat das Publikum damit auf seiner Seite. "Vergesst den Markt. Schreibt für Euch selbst!" Nur so könne ein Buch auch wirklich gut werden. Schließlich war es auch für manchen, inzwischen bekannten Autoren ein langer Weg, wie Knaur-Lektor Sonderhüsken aus dem Nähkästchen plaudert. Benjamin Lebert sei mit seinem "Crazy" wohl erst dank der "Medienmaschinerie" erfolgreich geworden. Bestseller-Autor Johannes Mario Simmel habe stets betont, dass er erst durch seinen Lektor das Schreiben gelernt hätte, und selbst für Stephen King gelte ähnliches. Ronald Klein, 23-jähriger Self-Made-Verlagsmann aus Friedrichshain, den der Knaur-Lektor spontan mit als Referenten mit nach vorne bittet, schlägt in die gleiche Kerbe wie der "Große Ferien"-Autor. "Gerade in einer Stadt wie Berlin" könne man auch Wege abseits des kommerziellen Mainstreams gehen.

Obwohl ... Stephen King soll für sein aktuelles Werk an die 18 Millionen Mark Vorschuss bekommen haben. Ist ja auch nicht von Taschenbuch-Pappe.Anläßlich des Workshops veranstalten "Booxtra", "meinberlin.de" und der Tagesspiegel einen Schreibwettbewerb für junge Autoren. Das Thema: Ferien. Die Texte sollen nicht mehr als 10 Seiten mit jeweils 30 Zeilen umfassen und müssen bis 31. Mai eingereicht werden. Als Preise winken Einkaufsgutscheine in Höhe von 300, 200 und 100 Mark. Per Post gehen die Texte (möglichst auf Diskette) an "Booxtra", Stichwort Schreib-Wettbewerb, Curt-Frenzel-Straße 10a, 86167 Augsburg; per E-mail an service@booxtra.de . Infos über die Workshops können unter www.booxtra.de/autor abgerufen werden.

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