Berlin : Vom Sozialamt zum festen Job

Projekt „Arbeit sofort“ vermittelt junge Leute in Betriebe

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„Im Sozialamt wurden wir immer nur beraten“, sagt die 23-jährige Tanja. „Seien Sie nicht so wählerisch!“, habe es dort geheißen, wenn es um Berufswünsche ging, erinnert sich der 25-jährige Wanja. Doch nun ist alles anders: Zusammen mit vorerst 19 anderen jungen Leuten haben die bisherigen Sozialhilfeempfänger befristete Arbeitsverträge bekommen und sollen in den nächsten Tagen eine Tätigkeit beginnen – im Fall von Tanja voraussichtlich in einem Büro. „Arbeit sofort“, heißt das Projekt, das gestern in Charlottenburg-Wilmersdorf vorgestellt wurde. Auch Mitte, Köpenick und weitere Bezirke gehen ähnliche Wege, um junge Erwachsene in feste Anstellungen zu vermitteln.

Künftig sollen 18- bis 25-Jährige, die einen Sozialhilfeantrag stellen, ins Projektbüro gegenüber dem Rathaus Charlottenburg geschickt werden und möglichst „noch am selben Tag“ mit der Arbeit beginnen, wie Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) ankündigte. In der City West gibt es rund 1500 Sozialhilfeempfänger in diesem Alter, davon gelten 350 als vermittelbar. Die Arbeit wird zur Pflicht: Wer sich weigert, bekommt kein Unterhaltsgeld mehr. Die Teilnehmer erhalten 434 Euro netto pro Monat und sind sozialversichert; die Kosten teilen sich das Arbeitsamt West und das Sozialamt. Die Verträge gelten bis zu sechs Monate, falls die rasche Vermittlung in einen Betrieb scheitert. Bei der Jobsuche helfen die gemeinnützigen Träger Internationaler Bund, Grone-Schule und A & QuA, die auch Vorbereitungskurse veranstalten. Ihre Partner sind vor allem Maler-, Tischlerei- und Elektrobetriebe, aber auch der Ausbildungs-Sender „RadioMitte“.

Der Modellversuch begann am 1. September. Er läuft ein Jahr und soll im Erfolgsfall verlängert werden. Einzigartig ist laut Stadträtin Schmiedhofer die geplante Auswertung durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die Senatssozialverwaltung „unterstützt alle solchen Ansätze“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Das Modell sei für die ganze Stadt geeignet, die Zuständigkeit liege allerdings bei den Bezirks- und Arbeitsämtern. Stadtweit sind rund 33 000 junge Leute im Alter bis zu 25 Jahren arbeitslos gemeldet, von denen viele Sozialhilfe beziehen.

Für Christian Gärtner vom Arbeitsamt West geht es um frühzeitige Hilfe: „Je länger man arbeitslos ist, desto geringer werden die beruflichen Chancen.“ Fünf junge Sozialhilfeempfänger haben die Aufforderung, sich im Projektbüro zu melden, aber bisher ignoriert. Falls sie nicht bald erscheinen und keine guten Gründe für ihr Versäumnis nennen können, werden sie ohne Zuschüsse auskommen müssen. Cay Dobberke

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