Berlin : "Vom Studenten bis zum Arzt" - alle wollen Infineon-Papier

Annette Kögel

In den Filialen der Berliner Banken herrscht einiges Gedränge: Nach der "T-Aktie" der Deutschen Telekom zieht nun die so genannte "I-Aktie" der Münchener Siemens-Tochter Infineon Technologies das geballte Interesse spekulierfreudiger Anleger auf sich. "Die Nachfrage ist mächtig hoch und sogar größer als bei der Telekom-Aktie", berichtete gestern ein Mitarbeiter vom Anlage- und Finanzservice der Landesbank Berlin. Auch Christian Hotz, Pressesprecher der Deutschen Bank / Deutsche Bank 24, Region Nordost, spricht von einer enormen Nachfrage in den Filialen seines Unternehmens.

Die Aktie des Chip-Produzenten Infineon können Kunden seit Montag dieser Woche zeichnen. Das Papier soll zum Preis von 29 bis 35 Euro bei großen Fonds und Privatanlegern platziert werden, die Zeichungsfrist soll voraussichtlich noch bis zum 12. März laufen. "Die Leute haben von der Aktie aus dem Fernsehen und den Zeitungen erfahren, da hat jetzt jeder was von gehört", erklärt ein Mitarbeiter des Landesbank-Anlageservice die Resonanz. "Die Kunden, die 1996 bei der Telekom dabei waren, wollen den Erfolg wiederholen - und jene, die damals nicht profitierten, wollen es jetzt erst recht tun."

"Ich habe mich zuletzt immer tierisch darüber geärgert, dass immer nur die Banken verdienen", sagt ein 29-jähriger Sparkassenkunde aus Mitte. Auch er zeichnete jetzt "I-Aktien" in der Hoffnung, aus dem Papier Kapital zu schlagen. Wer sich für die Aktie interessiert, muss mindestens 50 ordern, ist von Bodo Orlowski, Wertpapier-Analyst bei der Volksbank, zu erfahren. Wer bis zum 1. März bestellt, kann einen Frühbucher-Rabatt von einem Euro pro Aktie geltend machen. Da die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, empfehlen manche Berater, mehr Papiere zu zeichnen, als man eigentlich haben möchte. "Wenn man 100 bestellt, bekommt man tatsächlich vielleicht 30", gibt Orlowski eine Schätzung wieder. Es könne allerdings auch passieren, dass die Aktien ausgelost werden - das bedeutet, man erhält tatsächlich so viele, wie man bestellt hat. "Viele Leute denken, mit Aktien erwirbt man die Lizenz zum Gelddrucken", sagt der Anlage-Experte der Landesbank. In der "Goldgräberstimmung" unterschätzten einige Interessenten das Risisko, das Aktionäre mit einem solchen Geschäft eingehen. Christian Hotz, Deutsche-Bank-Pressesprecher, empfiehlt Interessenten, vor einer Entscheidung zunächst ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Kundenberater in der Bank zu führen. "Die Kollegen kennen ihre Kunden und können in einem Vier-Augen-Gespräch Vor- und Nachteile klären." Wer Aktien beispielsweise zur Altersversorgung erwerben möchte, sei sicher mit so genannten "Blue Chip Fonds" besser bedient als mit hochspekulativen Internetwerten.

In den Deutsche-Bank-Filialen brummte es unterdessen am gestrigen Dienstag. "Wir beraten Kunden vom Studenten bis zum Arzt", sagte René Gronau, stellvertretender Leiter der Filiale Hermannplatz. "Es läuft sehr gut, wir können uns über Arbeit nicht beklagen", berichtet auch Volksbank-Analyst Orlowski. Die Nachfrage in den Filialen seiner Bank sei genauso hoch, wenn nicht "einen Tick besser" als bei der Telekom-Einführung.

Der Nachrichtenagentur dpa gegenüber sagte gestern eine Sprecherin des Chip-Herstellers Infineon, der Ansturm der Anleger habe selbst das Unternehmen überrascht. Angeboten werden zunächst 173 Millionen Aktien, die größtenteils aus dem Siemens-Bestand stammen. Weitere 19 Millionen stehen als Reserve zur Verfügung. Nach dem Börsengang wird der Elektrokonzern Siemens noch rund 71 Prozent an Infineon halten. Das Unternehmen produziert mit weltweit 25 800 Beschäftigten Computerchips für Mobilfunk, Kommunikation- und Multimedia, Automobil- und Industrieelektronik sowie Speicherbausteine und Schaltkreise etwa für Chipkarten.

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