Berlin : Vom Vater vergewaltigt: Die Tochter konnte nur per E-Mail vom Horror berichten

Peter Murakami

Uwe H. ist 40 Jahre alt, stammt aus Sachsen und ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ein Kinderschänder. Laut Anklage soll der arbeitslose Schlosser zwischen 1992 und 1998 die aus erster Ehe seiner Ex-Frau stammende Tochter von ihrem neunten Lebensjahr an sexuell missbraucht haben, insgesamt mehrere hundert Mal.

Beim Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht schüttelte Uwe H. immer wieder ungläubig den Kopf, als der Staatsanwalt die Anklageschrift vorlas. "Die Vorwürfe entsprechen nicht der Wahrheit", erklärte er anschließend kurz angebunden. Weshalb ihn seine Stieftochter so schwer belastet, kann er sich nicht erklären.

Mitte 1998 hatte sich seine Frau Carola H. von ihm getrennt. Damals sei er nach mehrwöchigem Aufenthalt aus Cuxhaven zurückgekehrt und habe seine Frau nicht zu Hause angetroffen, sagte Uwe H. Ein paar Tage später sei sie dann mit zahlreichen Knutschflecken am Hals wieder in der gemeinsamen Wohnung erschienen, um ihm mitzuteilen, dass sie ihn verlassen werde.

Zunächst habe er einen Selbstmordversuch unternommen, dann jedoch die Trennung doch verkraftet. Gemeinsam habe man beschlossen, die Kinder selbst entscheiden zu lassen, bei wem sie leben möchten. Die gemeinsame 11-jährige Tochter habe sich dafür entschieden, bei ihm zu bleiben, und auch die Stieftochter, die ihre Mutter als "Herumtreiberin und Hure" beschimpft hatte, bestand darauf, ebenfalls bei ihm leben zu dürfen, erzählte der Angeklagte. Die Missbrauchsvorwürfe seien erst zur Sprache gekommen, als er seine mittlerweile 16-jährige Stieftochter aus der Wohnung geworfen habe.

Die als Nebenklägerin auftretende Ex-Ehefrau erzählte vor Gericht, sie habe durch eine E-Mail von dem Missbrauch erfahren. "Ich weiß, dass Du weisst, was Dein Ex-Mann mir angetan hat", habe ihre Tochter aus dem Heim gemailt und gleichzeitig ihre Befürchtung geäußert, dass Uwe H. auch ihre Schwester sexuell missbrauche. Sie sei damals nur bei ihrem Stiefvater geblieben, um zu verhindern, dass es ihrer jüngeren Schwester ähnlich ergehe wie ihr, schrieb sie ihrer Mutter.

"Sie wollte nicht mit mir über diese Missbrauchsgeschichte reden", sagte Carola H. "In einer weiteren E-Mail schrieb sie mir, dass mein Ex-Mann immer wieder zu ihr ins Bett gekrochen sei."

Als die Richterin wissen wollte, ob sie nie den Verdacht gehabt habe, dass ihr Mann seine Stieftochter missbrauche, erzählte sie prompt, dass sie sich an eine Situation erinnere, bei der Uwe H. nur mit einem Slip bekeidet zu der damals 12-jährigen ins Bett gekrochen sei. Nicht sie, sondern das Familiengericht hatte die Sache zur Anzeige gebracht, nachdem der Kindesmissbrauch im Zusammenhang mit der Vergabe des Sorgerechts bekannt geworden war.

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