Berlin : Vom Zug direkt ins Flugzeug

Konzept der kurzen Wege: Die Planungen für den Großflughafen Schönefeld werden nun konkret. 2004 wird Bau des Terminals ausgeschrieben

Klaus Kurpjuweit

Der Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) kommt voran. Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten für die Hochbauten des Flughafens ausgeschrieben werden – noch bevor der Planfeststellungsbeschluss rechtskräftig vorliegt. Dabei versuchen die Planer, den Preis für die erste Ausbaustufe von den veranschlagten 1,7 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro zu drücken.

Bei den Plänen greift die Flughafengesellschaft auf das Konzept zurück, das das Konsortium von Hochtief und IVG entwickelt hat, das den Flughafen in privater Regie bauen sollte. Nach dem Scheitern des Privatisierungsverfahrens hatte die Flughafengesellschaft die Pläne – gegen Verrechnung – übernommen. Abweichungen davon kann es aber noch geben.

Unverrückbar fest vorgegeben ist auf jeden Fall die Lage der Start- und Landebahnen sowie der dazugehörenden Vorfeldflächen. Auch die neuen Trassen für die Straßen- und Bahnanbindung sind bindend im laufenden Planfeststellungsverfahren vorgegeben. Über die Straße ist der neue Flughafen von Osten aus über die neue Autobahn A 113 zu erreichen; die Bahn biegt von Westen kommend vom Berliner Außenring ab, unterquert den Flughafen in der Mitte, wo es unter dem Terminal einen Bahnhof geben soll, und schwenkt im Osten dann auf die vorhandene Görlitzer Bahn.

Umstritten ist noch, ob der Bahnhof so gebaut wird. Immerhin sollen die Anlagen für den Bahnanschluss insgesamt rund 250 Millionen Euro kosten. Zweifel an der Notwendigkeit des Bahnanschlusses in dieser Form kamen in der Vergangenheit vor allem von der PDS. Wird die Station unter dem Terminal gebaut, soll der Flughafen vom neuen Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof aus in etwa 20 Minuten direkt zu erreichen sein. Und Ziel der Planer ist ein Flughafen der kurzen Wege.

An die große Empfangshalle mit getrennten Ebenen für den Abflugs- und Ankunftsbereich schließt sich ein Querriegel an, an dem die Flugzeuge „andocken“ können. Wie lang er werden wird und wie viele Fluggastbrücken gebaut werden, wird derzeit geprüft. Denn die so genannten Low-Cost-Gesellschaften wollen eine Abfertigung, bei der die Passagiere möglichst zu den Maschinen laufen können. So sparen sich die Gesellschaften hohe Gebühren für die Nutzung der teuren Infrastruktur, die den Trägern von „Nadelstreifenanzügen“ vorbehalten bleiben soll. In der ersten Stufe wird nur ein Querriegel gebaut, in dem etwa 20 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden könnten. Bei einer erforderlichen Erweiterung würde ein weiterer Riegel errichtet, der unterirdisch durch einem „People Mover“ mit dem Haupttrakt verbunden wäre.

Die Billigfluglinien könnten auch im bestehenden Terminal untergebracht werden, das jetzt für 9 Millionen Euro aufgewertet werden soll. Unter anderem ist vorgesehen, den Weg vom vorhandenen Bahnhof zum Abfertigungsgebäude zu überdachen. Optimistisch waren die Planer von Hochtief und IVG beim einstigen Baufeld Ost, auf dem sie Gewerbebauten planen. Ursprünglich sollte dort der Flughafen erweitert werden. Auch das neue Abfertigungsgebäude soll durch Büro- und Hotelbauten ergänzt werden. Gewerbebauten könnten auch im Bereich des alten Terminals entstehen.

Projektleiter für den Ausbau Schönefelds und neuer Technischer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft wird der ehemalige Hochtief-Manager Thomas Weyer. Er war für das Hochtief/IVG-Konsortium an den Privatisierungsverhandlungen beteiligt. In Berlin erhofft man sich, dass der 43-Jährige dadurch am besten weiß, wo es „Luft“ in den Plänen gibt, damit die Kosten wie erhofft gesenkt werden können.

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