Von Berlin nach Erfurt : Linke Wanderschaft

Berliner Genossen der Linkspartei gehen nach Thüringen. Die Regierung um Bodo Ramelow braucht Mitarbeiter, etwa den Berliner Ex-Staatssekretär Benjamin Hoff.

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Der Chef in Erfurt. Linken-Mann Bodo Ramelow.
Der Chef in Erfurt. Linken-Mann Bodo Ramelow.dpa

Von einer Stadtflucht zu reden, wäre übertrieben. Dennoch haben sich in der Berliner Linken einige schon vor Monaten in Thüringen umgesehen: nach Posten. Was ein wenig nach Karrierismus klingt, ist schlicht die übliche Wanderbewegung – neuen Jobs hinterher. Denn seit Bodo Ramelow in Thüringen zum Ministerpräsidenten ernannt wurde, hat seine Partei dort mehr Jobs zu vergeben als derzeit in Berlin. Und so starten mindestens vier, wahrscheinlich aber bald mehr Linke aus Berlin im neuen Jahr nach Erfurt.

Linke Stadträtin - von Treptow nach Erfurt

Ines Feierabend, bislang Sozialstadträtin in Treptow-Köpenick, wird dort Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Wer im Bezirksamt das Amt der 49 Jahre alten Politikerin übernehmen wird, steht noch nicht fest. Schon in Erfurt ist auch Malte Krückels, gerade 46 Jahre geworden. Bislang war der Linguist als Vorstandsreferent der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus beschäftigt. Krückels ist in der Thüringer Staatskanzlei zum Bevollmächtigten des Freistaats beim Bund ernannt worden.

Benjamin Hoff.
Benjamin Hoff.dpa

Bekannter dürfte in Berlin noch Benjamin-Immanuel Hoff sein. Hoff war bis 2011 Staatssekretär unter der damaligen Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher. Nun ist er Chef der Staatskanzlei in Erfurt und Minister für Kultur, Bundes- und Europa-Angelegenheiten – und so Krückels neuer Vorgesetzter. Auch mit Hoff, der 39 wird, hat sich Ramelow einen Jüngeren nach Erfurt geholt. Hoff ist früh in die Politik gegangen. Ab 1995 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Von 2002 bis 2006 promovierte der Sozialwissenschaftler an der Humboldt-Universität. Von 2005 bis 2006 war Hoff der Leiter der Bund-Länder-Koordination der Bundestagsfraktion der Linken, 2006 wurde er Staatssekretär im rot-roten Senat. Später arbeitete Hoff als Honorarprofessor an der Alice-Salomon-Hochschule.

Weitere Jobs für Linke in den nächsten Wochen

Neben diesen dreien wechselt auch Alexander Fischer nach Erfurt. Fischer war nicht in der Berliner Landes- oder Bezirkspolitik aktiv, arbeitete aber als Sprecher der Bundespartei im Karl-Liebknecht-Haus in Mitte. Nun wird er Thüringer Regierungssprecher. Hinzu kommen Jobs in den Abgeordnetenbüros im Thüringer Landtag. Viele Stellen dort werden noch ausgeschrieben. Wahrscheinlich ist, dass weitere Berliner – und auch Brandenburger – Linke nach Erfurt ziehen.

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