Berlin : Von den Sockeln

Christian van Lessen

freut sich, dass der Flensburger Löwe wieder kommt Misstrauische könnten fragen: Wer hat ihn denn jetzt schon wieder erbeutet? Findet er denn nirgends Ruhe? Waren es die Dänen, stocksauer über die Schlappe in Schleswig-Holstein, wo sie oder zumindest doch einige Landsleute wohlwollend die Politik von Heide Simonis hätten dulden können? Der Flensburger Löwe, trotz des Namens ein Werk der Dänen, dann von Preußen als Trophäe erbeutet und nach dem letzten Krieg wieder schuldbewusst als Beutekunst an die Dänen zurückgegeben – ein ständig Vertriebener. Jetzt ist sogar die Berliner Replik des Löwen vom Großen Wannsee verschwunden. Sind nun nicht mal mehr Kopien sicher? Aber diesmal hat ihn nicht der nördliche Nachbar verschleppt, sondern ein östlicher Restaurationsbetrieb in Adlershof. Die Aussicht, den Löwen wiederzukriegen, stehen denkbar günstig. Es geht eben alles längst und glücklicherweise friedlich zu, wie ja auch die Rückkehr einst erbeuteter Gemälde nach Berlin zeigt. Der leere Sockel am Großen Wannsee mag die Vorbeikommenden vielleicht verwirren, ihnen aber auch vor Augen führen, wie das ist, wenn Gewohntes fast über Nacht verschwindet. Auch ein leerer Sockel kann zum Nachdenken anregen. Einer steht sogar ganz prominent am Potsdamer Platz. Karl Liebknecht sollte dort einst stehen. Ihn hat niemand erbeutet. Er kam gar nicht erst auf den Sockel.

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