Berlin : Von der Ersatzbank ins Fernseh-Finale

Nicole Süßmilch aus Berlin hat schon mit den Puhdys gesungen. Jetzt springt sie bei „Deutschland sucht den Superstar“als Kandidatin ein.

Christine-Felice Röhrs

Seit Samstag ist sie wieder drin. Da hatte das Handy geklingelt, Nicole war gerade auf dem Weg zu den Babelsberger Filmstudios, wo sie für eine Sicherheitsfirma jobbt. RTL war dran: „Du rückst nach, du darfst wieder singen“, hatte Nicole noch gehört und dann erstmal laut gekreischt vor Freude. Gearbeitet hat sie an diesem Tag nicht mehr.

Vor drei Wochen war Nicole Süßmilch aus Berlin-Lichtenberg, 22 Jahre alt, bei „Deutschland sucht den Superstar“, bei der Show, die mittlerweile zum Samstagabendrenner geworden ist, ausgeschieden. Es war die letzte Sendung, bevor die zehn verbliebenen Kandidaten für das Finale vors große Publikum mussten. Nicole hatte sich damals für einen Song von Latina-Star Shakira entschieden – und einen Fehler gemacht. Sie hatte nämlich zu gut gesungen – zu nah am Vorbild. „Wir wollen keine zweite Shakira, wir wollen mehr Individualität“, hatte die Jury kritisiert. Und das Publikum, das pro Sendung über einem Kandidaten den Daumen senkt, bis zum Schluss nur noch „der Superstar“ übrig ist, hatte das Urteil bestätigt.

Jetzt macht die Berlinerin für ein Mädchen weiter, das aufgegeben hat. Für so einen Fall haben die Erfinder der Show feste Regeln. Die sehen vor, dass die Elftbeste aus den Top 30 wieder mitmachen darf, wenn von den zehn Finalisten einer nicht mehr will. Nicole war diese Elfte. Nur dass sie ausgerechnet für Judith nachrückt, sei „nicht so gut.“ „Judith ist ja der Publikumsliebling gewesen. Hoffentlich nehmen ihre Fans mir das nicht übel“, sagt Nicole. Liebling oder nicht, das entscheidet in dieser Show schließlich über Starsein oder Nichtstarsein.

Judith hatte geweint beim letzten Interview am Samstag. Der Druck sei zu groß geworden, hatte sie gesagt. Dazu der verplante Tagesablauf, der Rummel mit manchmal ziemlich zudringlichen Fans, zu wenig Zeit für Freunde und Familie…

Jetzt soll also Nicole an Judtihs Stelle wieder zurück in die Tretmühle – und es ist genau das, worauf sie ihr Leben lang gehofft hat. Sie gehört zu diesen energischen Menschen, die sich ein Ziel ausgucken und dann schnurstracks darauf zulaufen, ohne noch nach rechts und links zu schauen: Gesangsstunden, Auftritte bei Schulfesten, dann die ersten selbst geschriebenen Texte, erst einmal auf Deutsch, ins Englische hat sie dann ein Freund übersetzt. Nach der Parfümerie-Lehre hatte sie dann beschlossen, sich nur noch um die Musik zu kümmern. Der Höhepunkt: Dieter „Maschine“ Birr von den Puhdys produziert drei Titel mit ihr, die sie im Vorprogramm der Band singen darf. Und jetzt steht sie endlich auf dem Sprungbrett.

„Da wird jetzt viel passieren in den nächsten Tagen“, sagt Nicole. Im Gegensatz zu den anderen hat sie ja noch keine Ahnung, wie die Auftritte im Studio 32 auf dem Gelände in Köln-Ossendorf funktionieren, „das mit den Ohrstöpseln und so“. Sie wird wieder Zeit verbringen mit Gesangstrainern, die ihre Stimme verbessern, mit Stylisten, die die Haare noch ein bisschen blonder und die Augen noch ein bisschen blauer machen und mit Pressetrainern, die ihr beibringen, was sie in der Öffentlichkeit sagen darf und was nicht. Aber Nicole ist „Pragmatikerin“. Sie demütigt weder diese Prozedur, noch die Aussicht, vor Millionen Zuschauern wieder rauszufliegen. „Ist doch auch dann eine tolle PR“, sagt sie mit dieser frischen Stimme. „Da bin ich doch auf jeden Fall noch mal gesehen worden“. Von irgendeinem Menschen, meint sie, der ihr die Karriere ermöglicht.

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