Berlin : Von der Haft verschont

Schon vor der Tat von Zehlendorf sollte der Verdächtige ins Gefängnis. Der Richter ließ ihn frei

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Traf der Haftrichter eine falsche Entscheidung? Schließlich wusste er, dass Ken M. (Name geändert) der Polizei bereits wegen anderer Gewalttaten bekannt war. Für den Landesbezirksvorsitzenden der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg, war die Antwort gestern klar: „Es ist mehr als fahrlässig, wenn ein Richter für den Mörder von Christian Sch., der am 23. Juni 2005 wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags festgenommen wurde, Haftverschonung anordnet.“ Ken M. hatte bei einer Prügelei in einer Tankstelle ein Opfer so geschlagen, dass dieses zeitweilig in Lebensgefahr schwebte. Außerdem lief zu dieser Zeit noch die Bewährungszeit wegen einer Gewalttat gegen eine Verkäuferin. „Möglicherweise war dem Haftrichter die Bewährungsstrafe gar nicht bekannt“, sagt Rolf Hannich, Präsidiumsmitglied im Deutschen Richterbund.

Justizsprecher Michael Grunwald verweist auf Besonderheiten, die sich aus dem Jugendstrafrecht ergeben. „Bevor ein Jugendlicher ins Gefängnis kommt, muss die Verhältnismäßigkeit noch einmal ganz besonders sorgfältig geprüft werden.“ GdPSprecher Klaus Eisenreich berichtet von frustrierten Polizisten, die tagtäglich junge Gewalttäter festnehmen und sie schon wenige Stunden später wieder auf freiem Fuß antreffen. Obwohl die Kriminalitätsstatistik seit Jahren einen besorgniserregenden Anstieg der Gewaltdelikte in Berlin belege, passiere nichts.

Der Haftrichter hatte Ken M. immerhin beauflagt, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden. Das tat dieser auch – das letzte Mal, kurz bevor er Christian tötete. das

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