VON DER POLIZEI VERLEUMDET : Getränkehändler kämpft um Entschädigung

Der Getränkehändler Ibrahim Arikoglus verklagt das Land auf Schadenersatz: Nach einem unbelegten anonymen Hinweis schickte das Landeskrimalamt warnende Briefe an seine Geschäftspartner.

DER FALL

Anfang des Jahres verschickte das Landeskriminalamt (LKA) an etwa 70 Geschäftspartner des Getränkegroßhändlers Ibrahim Arikoglu Briefe, in denen der Geschäftsmann des geplanten Kreditbetruges verdächtigt wurde. Anlass für die Aktion hinter Arikoglus Rücken war ein anonymer telefonischer Tipp, der durch nichts belegt war. Neben der falschen Verdächtigung enthielt das LKA-Schreiben auch noch den Hinweis auf Arikoglus türkische Abstammung, der in dem Zusammenhang irrelevant war und von mehreren Beteiligten als diskriminierend aufgefasst wurde.

DER SCHADEN

Auf den Brief des LKA hin wandten sich viele Kunden und Banken von Arikoglus 15-Mann-Betrieb ab. Der Geschäftsmann kann nach eigenen Angaben anhand seiner Steuerunterlagen Umsatzverluste von mehr als 50 Prozent nachweisen. Zwar könne er mit Sonderangeboten mehr und mehr Kunden zurückgewinnen, aber er sei noch immer im Minus.

DIE KONSEQUENZEN

Im Juni schickte das LKA einen Brief an Arikoglus Geschäftspartner – diesmal, um dessen Unschuld bekanntzugeben und sein Bedauern über die Wortwahl zu äußern. In der Antwort auf eine Parlamentsanfrage des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu bedauerte auch der Senat die Folgen des LKA-Briefes.

DIE WIEDERGUTMACHUNG

Arikoglu berichtet von einem angenehmen Gespräch mit Polizeipräsident Dieter Glietsch vor etwa zwei Wochen. Darin habe Glietsch angeboten, persönlich einen weiteren Brief an die verunsicherten Geschäftspartner zu schreiben. Das Angebot will Arikoglu annehmen, aber parallel das Land auf Schadensersatz verklagen. obs

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