Berlin : Von der Schwierigkeit zu zählen

Teilnehmerzahl der Rad-Sternfahrt bleibt weiter umstritten – ebenso die Bilanz des autofreien Sonntags

Klaus Kurpjuweit

Egal, wie viele Radler nun tatsächlich am Sonntag an der Sternfahrt durch die Stadt teilgenommen haben: Fest steht, dass die nächste Aktion am 7. Juni 2009 stattfinden soll. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) als Veranstalter hatte im Vorfeld 250 000 Teilnehmer erwartet und am Sonntag dann mitgeteilt, so viele seien es dann auch gewesen. Die Polizei dagegen hatte, wie berichtet, intern lediglich rund 25 000 aktive Radler gezählt.

„Es waren weit über 200 000“, bekräftigte gestern die ADFC-Vorsitzende Sarah Stark die Angaben vom Sonntag. Unabhängig davon wolle der ADFC im nächsten Jahr gemeinsam mit der Stadtentwicklungsverwaltung versuchen, für die Sternfahrt mehr zu werben. In den vergangenen Jahren hatte das Werbeunternehmen Ströer noch Plakatflächen im Wert von etwa 250 000 Euro kostenlos bereitgestellt, die Plakate waren vom Senat finanziert worden. Diese Kooperation war vereinbarungsgemäß nach drei Jahren beendet worden.

Zudem habe es am Sonntag mit der Luftfahrtausstellung ILA in Schönefeld und dem Internationalen Stadionfest (Istaf) im Olympiastadion erstmals große Parallelveranstaltungen zur Sternfahrt gegeben, sagte Stark weiter. Durch eigene Zählungen sei man aber sicher, dass es bei der Sternfahrt um die 250 000 Teilnehmer gegeben habe. Diese Zahl nennt der ADFC seit einigen Jahren stets für die Sternfahrt. Auch der frühere Vorsitzende Benno Koch beteuert, dass diese Zahl auch in der Vergangenheit stets realistisch gewesen sei. Am Sonntag könnte allerdings auch die Hitze viele davon abgehalten haben, aufs Rad zu steigen.

Die Polizei musste nach Angaben einer Sprecherin für die Sternfahrt rund 530 Beamte einsetzen. Doch die Polizei muss bei der Demonstration ohnehin präsent sein, unabhängig davon, ob 25 000 oder 250 000 Radler an den Beamten vorbeistrampeln.

Durchwachsen war auf jeden Fall die Resonanz auf den freiwilligen autofreien Sonntag, der von Schülern im Jugendforum initiiert und vom Abgeordnetenhaus unterstützt worden war. Auf den Straßen waren nach Angaben der Polizei kaum weniger Autos unterwegs als sonst. Die BVG hat ausgerechnet, dass rund 100 000 Menschen mehr als sonst mit ihren Bahnen und Bussen gefahren sind. Sonntags hat die BVG nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Reetz durchschnittlich 1,2 Millionen Fahrgäste. Zum autofreien Sonntag hatte es im Stadtgebiet Sonderangebote im Nahverkehr gegeben. Von der S-Bahn gab es keine Zahlen.

Der SPD-Umweltexperte Daniel Buchholz ist trotz des geringen Erfolgs dafür, einmal im Jahr an die Autofahrer zu appellieren, ihr Gefährt stehen zu lassen. Und der Berliner Europa-Abgeordnete Michael Cramer (Grüne) will weiter den autofreien Sonntag per Gesetz verordnen lassen. Klaus Kurpjuweit

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