Berlin : Von der Theke auf die Bühne

Wirte mit dem „Deutschen Kneipenoscar“ geehrt

-

Der Wirt ist eine gefährdete Spezies. Zumindest war er das in den 80er Jahren. Damals seien Gastronomen die Bevölkerungsgruppe mit der niedrigsten Lebenserwartung gewesen, sagt Schauspieler Heinz Hoenig in seiner Laudatio zum zehnjährigen Bestehen des „Deutschen Kneipenoscars“. Gastronomen seien ständig auf den Beinen, leisteten Nachtarbeit, dazu kämen noch „Weiber“, witzelt Hoenig. Im RestaurantTheater „Pomp, Duck and Circumstance“ ist bei der Jubiläumspreisverleihung von Stress allerdings nichts zu spüren. Anstatt zu schuften, stehen die Wirte selbst einmal im Rampenlicht und lassen sich von rund 400 geladenen Gästen, unter ihnen Altbundespräsident Walter Scheel und Entertainer Karl Dall, für ihre Leistung feiern.

Stellenweise ufert das Bejubeln der von einer Fachjury zu den Wirten des Jahres Gekürten zu einem feucht-fröhlichen Hochgesang auf die deutsche Kneipenkultur im Allgemeinen aus. Dass die eigentlichen Hauptfiguren dabei in den Hintergrund geraten, passt aber durchaus zum Credo der Preisträger Ursula Fischer von „Die Insel“ in Hameln sowie Ingo Päsch und Ralph Wichmann vom „Johannsens“ in Niendorf an der Ostsee: Ihnen seien die Gäste am wichtigsten, sagten sie in ihrer Dankesrede.

„Mit Kreativität, originellen Gastronomie- Konzepten und einem professionellen Management haben alle Nominierten bewiesen, dass man auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten einiges im Markt bewegen kann“, würdigt der Marketing- und Vertriebschef der Brauerei Felsenkeller Herford, Udo Tydecks, die Leistung der Gastronomen. Die Brauerei hatte den Preis 1992 ins Leben gerufen. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Ernst Fischer, betont die Vorreiterrolle der Sieger und Nominierten: Sie machten Mut, eine Karriere in der Gastwirtschaft zu starten. „Nicht Geiz ist geil, Service ist geil“, sagt er.

Nach all den Worten des Lobes sind die Prämierten schließlich erleichtert, sich wieder aus dem Scheinwerferlicht zurückziehen zu können. Mit Essen und Musik der 80er Jahre klingt der Abend aus. ddp

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben