Berlin : Von der Tiefgarage direkt ins sichere Himmelbett

Adlon will prominente Gäste mit neuem Sicherheitsbereich besser schützen. Interconti-Chef: In Berliner Luxus-Hotels schlafen VIPs ungestört

Lothar Heinke

Weiß uniformierte Polizisten aus der Ehren-Eskorte am Pariser Platz, grüne Motorräder und dazwischen schwarze Limousinen mit den farbigen Symbolen des jeweiligen Gastlandes – untrügliche Zeichen für den Besuch eines hochrangigen Politikers in Berlin. Wer mag das sein? Kennen wir ihn (oder sie)? Wo kommt er her? Wer begleitet ihn? Was will er hier? Wen trifft er? Vor dem Hotel Adlon staut sich die Neugier, und die Traube der Touristen löst sich erst auf, wenn der Gast mit seinem Gefolge davonfährt.

„Diese Szenen wird es immer häufiger geben“, sagt Adlon-Direktor Thomas Klippstein. „Wir rechnen mit einer Zunahme von Staatsbesuchen, und gleichzeitig stellen wir uns aus dem traurigen aktuellen Anlass terroristischer Anschläge auf erhöhte Sicherheitsanforderungen ein“. Als das Traditionshotel vor acht Jahren eröffnet wurde, waren die Suiten mit dem Blick zum Brandenburger Tor gewissermaßen das Nonplusultra an Sicherheit – mit Stahlwänden abgeschottet, separiert vom Haus und mit kugelsicheren Glasfenstern versehen. Und ohne Gegenüber. Inzwischen aber ist die Nordseite vom Pariser Platz komplett bebaut, und die Zeiten, als Staatsgäste oder Minister ohne ihre Leibwächter im Hotel ein- und ausgingen, sind lange vorbei.

Deshalb entsteht jetzt im Adlon, wie kurz gemeldet, ein großer Sicherheitstrakt, der den neuesten Sicherheitsstandards entspricht und von dem aus die Gäste quasi aus ihrem Bett direkt in die Tiefgarage gelangen. Die Bewohner können separat beköstigt werden, sämtliche Fenster dieser Etage mit dem Blick zum Potsdamer Platz über das Holocaust-Mahnmal hinweg erhalten kugelsicheres Glas. Da der Begleittross prominenter Politiker, Künstler oder Wirtschaftsmanager immer umfangreicher wird, sind größere Suiten gefragter denn je: „Anspruchsdenken und Platzbedürfnisse sind spürbar gewachsen“, sagt der Adlon-Direktor. Deshalb werden 48 Hotelzimmer in 17 luxuriöse Suiten mit Größen von 60 bis 240 Quadratmetern umgebaut. Das kostet zwölf Millionen Euro und betrifft den zur Behrenstraße hin gelegenen südlichen Teil des Hotels, in dessen Fluren Staubwände dafür sorgen sollen sollen, „dass im besten Falle überhaupt kein Gast merkt, dass wir hier eine Baustelle haben“. Natürlich hat man dabei auch kommende Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft im Blick und rechnet mit zahlungskräftigen sportelnden Gästen: In einigen Suiten gehören Sportgeräte, Fitness-Trainer, Sauna und Whirlpool zum Inventar. „Das Hotel ist für manche VIPs Homebase und Kommandozentrale zugleich“, sagt Thomas Klippstein, „und sicher fühlen soll man sich in Berlin allemal“.

Wer in der Hauptstadt übernachtet, muss keine Angst haben, sagt auch Willy Weiland, der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Unsere nun schon 16 Fünf-Sterne-Hotels bieten einen hohen internationalen Sicherheitsstandard, so dass die hin und wieder gestellte Frage, ob die Regierung ein eigenes Gästehaus benötigt, ziemlich müßig ist“, sagt Weiland. Sein „Interconti“, das er als Direktor führt, gilt – schon wegen seiner ideal zu schützenden Lage an der Budapester Straße – als das sicherste Hotel der Stadt. „Seit dem 11. September hat das Thema Sicherheit eine neue Dimension bekommen, und was in London geschehen ist, bestätigt das nur“, sagt Willy Weiland. Er hat dabei nicht nur den „großen“ Staatsbesuch von Präsidenten der USA oder Israels im Auge, sondern auch den prominenten VIP-Gast aus Hollywood, dessen Bedürfnis nach Sicherheit spürbar zugenommen hat. Dabei seien die Hotels gut beraten, wenn sie nicht jeden Promi-Namen, der in einer Berliner Suite schläft, an die große Glocke hängen. „Wir lassen das meistens gar nicht nach außen dringen – in Berlin nächtigen mehr VIPs, als man denkt.“

Auf einen sicheren Zulauf an Prominenz hofft auch Regionaldirektor Thomas Wachs für das neue 500-Betten-Hotel „Maritim“, das am 5. August in der Stauffenbergstraße eröffnet. Die größte von zehn Suiten misst 350 Quadratmeter und ist mit einer Grillküche und einem Swimmingpool auf der Dachterrasse ausgestattet. Hier hat der Architekt die Sicherheit mitgeplant: Zehn Suiten verteilen sich auf fünf Etagen und bilden einen „Suitenturm“ in der Mitte des Hauses, Hotel im Hotel – uneinsehbar, schusssicher und videoüberwacht.

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