Berlin : Von Herzen kriminell: Alles nur aus Liebe

K.G.

Einer Frau, die lange Zeit an der luxuriösen Seite eines Millionärs gelebt hatte, muss man etwas bieten. Davon war Thomas B. überzeugt. Um seine große Liebe nicht durch leere Taschen zu verlieren, kam er auf eine kriminelle Idee. Der 31-jährige einstige Leistungssportler betätigte sich als Schuldeneintreiber. Doch von den eingetriebenen Summen sahen seine insgesamt drei Auftraggeberinnen keinen Pfennig. "Ich habe das Geld einfach behalten", gestand B. gestern vor dem Berliner Landgericht.

Der frühere DDR-Jugendmeister im Diskuswerfen hatte sich gegenüber seiner Freundin als erfolgreicher Geschäftsmann ausgegeben. "Ich wollte ihren Ansprüchen genügen", sagte er den Richtern. Dass allerdings gelang dem Mann, der sich nach seiner Sportlerkarriere als Vermittler in der Baubranche, als Kaffeehausbetreiber und als Zivilangestellter der Polizei versucht hatte, nicht mit ehrlicher Arbeit.

Das erste Mal war es eine Bauunternehmerin, für die er noch offene Rechnungen in Höhe 109 000 Mark eintreiben sollte. Dann waren es zwei Schwestern, für die er etwa 600 000 Mark zurückholen sollte. Sie hatten diese Summe für ein Grundstück bezahlt, dieses aber nicht bekommen. Eigenmächtig schloss B., der sich als Inkasso-Unternehmer ausgab, Vergleiche mit den Schuldern ab. Im ersten Fall bekam er 30 000 Mark, im zweiten waren es 270 000 Mark, die er in seine eigene Tasche steckte.

"Mir ist das Geld nur so durch die Finger geronnen", sagte B. vor Gericht. Etwa 30 000 Mark habe er monatlich in den aufwendigen Lebensstil seiner Freundin und ihres Kindes gesteckt, sagte der Pankower. "Ich wollte meine Freundin ungedingt behalten", erklärte der Angeklagte. Nach außen habe er den guten Geschäftsmann gespielt, tatsächlich aber habe er "völlig den Überblick verloren". Er wolle seine Fehler wieder gutmachen, habe sich brieflich bereits bei den geprellten Frauen entschuldigt.

Die Richter verhängten gegen B. wegen Untreue und Nötigung eine Freiheitsstrafe von insgesamt fünfeinhalb Jahren. In den Richterspruch wurde eine frühere Verurteilung von 18 Monaten Haft mit einbezogen. Auch vor dem Amtsgericht Nauen war das Schuldeneintreiben Hintergrund der Vorwürfe: Anfang der 90-er Jahre sollten der breitschultrige Ex-Leistungssportler und weitere kräftig gebaute Männer Forderungen einer Getränkefirma eintreiben. Bei den Berliner Fällen versprach B. eine Rückzahlung der Gelder. Die aber, so der Richter dürfte in weiter Ferne liegen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar