Berlin : Von Kopf bis Fuß auf Sex eingestellt

Noch Karten fürs Konzert von Christina Aguilera

Christian Beck

Die schlechte Nachricht zuerst: Von ihrer deutschen Plattenfirma will Christina Aguilera niemanden sehen während der Tour. Wenn aber die Verkaufsbrigade nicht helfen muss, Werbung fürs Produkt zu machen, dann gibt es auch für die Fans nix zu sehen. Nicht in Berlin und im Rest der Republik wohl auch nicht. „Ich hätte gerne ein ,Meet & Greet’ mit ihr gemacht, aber da wird wohl leider überhaupt nichts gehen“, dem Berliner BMG-Promoter blieb vergangene Woche nur ein Schulterzucken. Auch an Radiobesuche, Autogramme, Sprünge unters Volk am Brandenburger Tor ist nicht zu denken.

Doch die schnöde Verweigerung passt recht gut zum neuen Image der verrucht geschminkten Christina Maria Aguilera. Die musikalische Teen-Pop-Sanftmut der frühen Hits ist deutlich rockigeren Tönen gewichen. Auch hat die mittlerweile Erwachsene den keimfrei mädchenhaften Britney-Look, in dem Christina Aguilera noch das Cover ihres aktuellen Albums „Stripped“ ziert, zugunsten schwarz gefärbter Gypsy-Glut entsorgt. „Echt geil, sie hat die ganze Show auf Sex aufgebaut“, beim Tourauftakt in Hamburg geriet ein junger Fan darüber geradezu ins Schwärmen. Dabei käme auch dessen Frau Mama im Verlauf der Show noch spielend auf ihre Kosten: Im Cocktailkleid aus den fünfziger Jahren singt Christina Aguilera den Jazz-Standard „At last“, es gibt Balladen zu Flügelbegleitung, A-Capella-Gesänge, besinnliche Gedanken zu innerer Schönheit („Beautiful“) und den inneren Stimmen, die ihr durch die Krisen der vergangenen Jahre geholfen haben („The Voice within“). Doch bald wird das Tempo wieder angezogen. Und ausgezogen, was nicht niet- und nagelfest ist: Zu „Lady Marmalade“, dem La-Belle-Klassiker mit dem „Voulez vous coucher avec moi ce soir?“-Refrain aus dem Nicole-Kidman-Film „Moulin Rouge“, dürfen acht leicht bekleidete Tänzer Hand anlegen an Christinas Rock — bis kaum noch etwas davon übrig ist.

Zwar sind die Kartenkontingente fürs heutige Berlin-Konzert natürlich längst erklecklich geschrumpft, trotzdem waren bei Schließung der Vorverkaufsstellen vor dem Wochenende noch immer Karten für die Show im Velodrom zu haben. Da wäre der eine oder andere Blitzbesuch im Alltag der Berliner Fans vielleicht gar nicht mal eine so schlechte Idee …

Velodrom / Berlin Arena, heute, 20 Uhr, 46 Euro inklusive Gebühren

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