Berlin : Von Libyen per Video ins Gericht: Richter erwägen Zeugenvernehmung in Tripolis

kf

Der La-Belle-Prozess könnte mit einer technischen Premiere in die Geschichte der Justiz eingehen: Der Vorsitzende Richter der 23. Großen Strafkammer will nun von libyscher Seite prüfen lassen, ob die Vernehmung von sechs Zeugen von Tripolis per Videokonferenz nach Berlin übertragen werden könnte.

Wie berichtet, zeigt sich das libysche Außenministerium seit kurzem im Fall um das La-Belle-Attentat zur Zusammenarbeit bereit: Vor einigen Tagen erging an zwei der zuständigen Richter die Einladung, Tripolis zu besuchen, um die Hintergründe zu dem Bombenanschlag von 1986 zu klären. Bei dem Attentat auf die besonders bei Amerikanern beliebte Diskothek "La Belle" starben drei Menschen, 200 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Das libysche Angebot geht auf ein deutsches Rechtshilfegesuchen von 1998 zurück. Drei Varianten hatten die Prozessbeteiligten damals vorgeschlagen: Erstens die sechs Zeugen nach Berlin zu schicken. Zweitens die Vernehmung in der Deutschen Botschaft in Tripolis durchzuführen. Oder drittens die Zeugen von libyschen Richtern mit deutscher Beteiligung vernehmen zu lassen. Eine Videokonferenz käme als vierte Variante auch den Vertretern der Nebenklage entgegen. "Da könnten alle Beteiligte teilnehmen", sagt Anwalt Hajo Ehrig.

Gesetzlich wäre eine Zeugenaussage über Videokamera und Satellitenleitung direkt in den deutschen Gerichtssaal möglich, und die Berliner Justiz bereitet sich seit Anfang des Jahres schon darauf vor. Im Sommer soll der Video-Verhandlungsraum in Moabit so weit aufgerüstet sein, dass Videokonferenzen auch mit anderen Ländern durchführbar sind.

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