Berlin : Von Malaysia nach Malta ist es nur ein Katzensprung

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Zum All Nations Festival – so heißt der gestern zum zweiten Mal in Berlin stattgefundene Tag der offenen Tür in diesmal 30 Botschaften – ging schon mittags in Luxemburg gar nichts mehr. Im überfüllten Festsaal der Botschaft in der Klingelhöferstraße zeigte das 2586 Quadratkilometer kleine Großherzogtum nicht nur Videofilme über seine kulturelle Vielfalt, sondern mit Georges Christen auch seine Stärke. Großherzog Henri schaute als Porträt von der Wand zu, wie sein Untertan und angeblich stärkste Mann der Welt zur Freude der Berliner stündlich eiserne Nägel wie Strohhalme bog und das immerhin 1506 Seiten starke Telefonbuch seiner nur 442 972 Untertanen wie Seidenpapier zerriss.

Beste Stimmung und Gedränge auch in der Luxemburg benachbarten Botschaft von Malaysia, wo exotische Musikklänge, Tänze und ebensolche Delikatessen die gestern in Berlin an einem Tag „rund um die Welt“ reisenden Besucher empfingen. Von Malaysia nach Malta ist es in Berlin nur ein Katzensprung. Für seine „7000 Jahre Zivilisation“ warb gestern die Inselrepublik im Mittelmeer und labte erschöpfte und von Land zu Land mit mehr Werbeprospekten beladene „Weltreisende“ mit „Kinnie“ - so heißt ein maltesisches Nationalgetränk aus Bitterorangen und 18 aromatischen Kräutern.

In Ägypten empfing ein Überangebot von Polizei die erstaunten Festivalbesucher – der Sicherheitsaufwand galt aber nicht ihnen, sondern hohem Besuch der Botschaft in der Stauffenbergstraße. Dort brachte der Besuch des Generalsekretärs der arabischen Liga, Amre Moussa, vorübergehend das geplante Festivalprogramm etwas durcheinander.

463 000 Ausländer leben in Berlin - nicht alle kennen sich, und nicht alle mögen sich. Daran will das All Nations Festival etwas ändern. „Wer miteinander redet, wird sich nicht miteinander prügeln“, hatte gestern morgen Carsten Diercks, Vorsitzender der Berliner Gesellschaft für Internationale Begegnung, zur Eröffnung des diesjährigen All Nations Festivals gesagt, für das Klaus Wowereit die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Der Regierende selbst kam zwar nicht, schickte aber seine Ausländerbeauftragte. Barbara John fand gute Worte für das Anliegen des Festivals, sozusagen per Shuttlebus Grenzen und Kontinente zu überwinden. „Berlin ist eine Welt der vereinten Nationen“, sagte sie. Diese Welt habe viele Türen, die der Botschaften seien sonst verschlossen – da sei der Tag der offenen Türen auch ein Tag der offenen Herzen. hema

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