Berlin : Von Menschen und Mäusen

Schon zum Start von „Stuart Little“ vor gut zwei Jahren war Geena Davis nach Berlin gekommen. Jetzt stellten sie und ihr Filmehemann Hugh Laurie die neuen Abenteuer des berühmten Nagetiers vor.

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Eine Maus hat es nicht leicht in der Partygesellschaft des neuen Berlin. Gerade noch hat man sie gefeiert, beklatscht, und beim Weg die Rolltreppe hinauf, aus dem Dunkel des Kinos ins Freie, haben zarte Kinderstimmchen immer wieder „Hallo, Maus“ gerufen – deutliche Beweise dafür, dass die Sympathie der eigentlichen Zielgruppe von „Stuart Little“ auch im zweiten Teil der Mausgeschichte gewonnen werden konnte.

Aber nun ist das Buffet eröffnet, und da kennen auch unschuldige Kinderlein keine Gnade, greifen sich unbarmherzig Stuarts auf den Tischen verstreute Artgenossen aus weißem süßem Schaum, beißen hinein, lassen die Schwänzchen rappzapp in hungrigen Mäulchen verschwinden. Arme Maus, du jammerst uns.

Obwohl: An sich kann sich Stuart, als ungewöhnlicher Adoptivsohn der New Yorker Idealfamilie Little schon zum zweiten Mal ein Leinwandstar, wirklich nicht beklagen. Nicht über das – bis auf die klebrigern Nagetiere – eher deftig-bajuwarische Buffet, das den Premierengästen nach der Vorführung im Cine-Star am Potsdamer Platz im benachbarten Lindenbräu ausgerichtet wurde. Nicht über die Spende über 22 222 Euro, die Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf im Kino für die Flutopfer der Elbe entgegennehmen konnte. Schon gar nicht über den Film, der Stuart zum ersten Mal in seinem kurzen Leben in Liebesnöten zeigt und ihn allerlei waghalsige Abenteuer erleben lässt, die sonst den größeren Actionstars zugestanden werden. Wohl manchen jungen Zuschauer ließ das näher an die mütterliche oder väterliche Schulter rücken.

Schon gar nicht muss sich die weiße Maus über die Kinderparty beklagen, die den Nachmittag unterm Sony-Dach eingeleitet hatte. Gewiss, das übliche Programm mit Karussell, Hüpfburg, Schminkecke, Malstation und einer Kletterwand, die nur in Klett-Overalls zu bezwingen war. Aber wo sonst werden zufälligen kleinen Zaungästen schon Plastikfiguren zum Film von Clowns oder einem sprechenden Roboter angeboten? Stuart im roten Cabrio oder im gelben Doppeldecker, stehend mit den Händen in den Hosentaschen, dazu der böse Falke, der verzagte Hauskater Snowbell oder die Vogeldame Margalo.

Und hoch zufrieden muss die Maus, die in der einer Europapremiere allein angemessenen XXL-Version die Stufen zur Bühne erklomm, mit den Stargästen der Veranstaltung sein. Vorneweg Geena Davis, die mit ihrer vier Monate alten Tochter Alice eigens aus Los Angeles hergejettet war und schon den Start des ersten Teils vor gut zwei Jahren in Berlin begleitet hatte. Dazu ihr Film-Ehemann Hugh Laurie, den man in einer schottischen Hütte aufgestöbert hatte, schließlich der Comedian Bastian Pastewka, Synchronsprecher der Maus, Diana Amft, Stimme des flotten Piepmatz Margalo, und Götz Otto, der Snowbell zum Sprechen brachte.

Ein rundum gelungener Premierennachmittag also, keineswegs nur eine Party in Kindergröße, und dass die üblichen VIP-Verdächtigen diesmal nicht so zahlreich erschienen, von Unentwegten wie Horst Buchholz oder Frank Zander abgesehen – geschenkt. Die wahren VIP’s, da hatte Gastgeber Jürgen Schau durchaus Recht, waren ja doch die Kinder. Andreas Conrad

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