Berlin : Von Moscheen und Minaretten

Wie türkische Blätter über Konflikte beim Bau von Gotteshäusern in Deutschland berichten

Suzan Gülfirat

Die geplante Ahmadiyya-Moschee an einer Wohnstraße im Pankower Ortsteil Heinersdorf erregt derzeit die Gemüter in dem Bezirk. In türkischen Blättern kam dieses Thema allerdings kaum vor. Über einen anderen Moscheestreit berichtet die „Hürriyet“ am Freitag dagegen auf ihrer Titelseite. „Moschee mit zwei Minaretten entzweit die Stadt München“, titelte das Blatt. „In der deutschen Großstadt München will die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) eine Moschee mit zwei Minaretten bauen. Stadt und Staatsregierung sind aneinander geraten“, hieß es in den Unterzeilen zu dem Bericht.

Die DITIB wurde 1985 in Köln gegründet und hat eine enge Bindung an das staatliche Präsidium für Religiöse Angelegenheiten in der Türkei. Zum Beispiel ist auch die Moschee am Columbiadamm in Neukölln eine DITIB-Einrichtung – und hat zwei Minarette. In Deutschland stehen insgesamt 785 Moscheevereine unter dem Dach dieser religiösen Institution, schrieb die Hürriyet. Erwähnenswert ist auch, dass die DITIB-Prediger sich zum Laizismus bekennen müssen, was bedeutet, dass sie den Koran etwas zeitgemäßer auslegen als andere islamische Gruppierungen.

Im Text zitierte die Hürriyet unter anderem Bayerns Innenminister Günter Beckstein (CSU): „Ich werde die Baugenehmigung zurückziehen“. Als Begründung gab der Politiker an, dass nach Paragraf 34 Absatz 1 des Baugesetzbuches das Gebäude nicht in die Eigenart der näheren Umgebung passe. Dem Beckstein-Zitat folgte eine Aussage des Bürgermeisters von München, Christian Ude (SPD): „Die Moschee wird gebaut werden. Sonst ziehe ich vor Gericht.“

Im Münchener Stadtteil Sendling, in dem das Gotteshaus eines Tages stehen soll, fand vor knapp einer Woche eine Bürgerversammlung statt. Bei einer Abstimmung sprachen sich 252 Bürger dagegen und 212 dafür aus. „Zwei Rechtsradikale, die ein Plakat der NPD entrollt hatten, sind von ,Ordnern, Polizei und Bürgern’ unter ,Nazis raus!’-Rufen aus dem Saal gedrängt worden“, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ darüber.

Die Hürriyet zeigte auf der Titelseite der Europa-Beilage eine Computersimulation der Münchener Moschee. Sie zeigt einen verschnörkelten Flachbau mit einer Kuppel und zwei Minaretten. „Das wäre die erste Moschee ihrer Art in Bayern“, schrieb die Zeitung. Insgesamt gebe es in Deutschland 75 Kuppelmoscheen von DITIB mit Minaretten.

Anfang April gab es auch in Pankow-Heinersdorf in Berlin eine Versammlung zum Moschee-Neubau. Statt der erwarteten 350 Teilnehmer kamen mehr als 1000. Weil die Polizei die Versammlung aus Sicherheitsgründen auflösen wollte, kam es zu tumultartigen Szenen. In dem Bezirk fand auch eine NPD-Demo statt, die von Protesten begleitet war. Zudem hat die Bürgerinitiative Heinersdorf bereits mehr als 6000 Unterschriften gesammelt, wobei Heinersdorf knapp 6000 Einwohner hat.

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