Von Neukölln in die Tiersammelstellle : Die Frage nach der Herkunft des Hausschweins

Ein herrenloses Hausschwein erregte gestern in Neukölln Aufsehen. Wo es herkam ist noch unklar. Tagesspiegel-Redakteur Stefan Jacobs hat sich aber so seine Gedanken gemacht.

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Blaupause. Das Schwein nach seiner vorläufigen Festnahme. Foto: Polizei
Blaupause. Das Schwein nach seiner vorläufigen Festnahme. Foto: PolizeiFoto: Polizei Berlin

Polizeimeldungen sind selten etwas für Feinschmecker, aber am Mittwoch war ein Filetstück dabei. Es war die Mitteilung vom Notruf einer 23-jährigen Neuköllnerin, die ein herrenloses Hausschwein im Hof eines Wohngebäudes in der Flughafenstraße meldete. Eine Streife „übernahm die grau-schwarze Sau“ teilte die Polizei mit. Sie – die Sau – sei der Tiersammelstelle in Lichtenberg übergeben worden. Widerborstig verhielt sie sich nicht. Da sich der Eigentümer auch am Donnerstag noch nicht gemeldet hat, kann über die Hintergründe nur spekuliert werden. Also los.

Vielleicht stammt die Sau aus dem Umland (Speckgürtel!), wo es ihr einfach zu eng geworden ist. „Brandenburgs Bestand an Schweinen im November 2014 auf Rekordniveau“, hatte das Statistikamt erst am Dienstag mitgeteilt. 851.000 Tiere seien es „nach dem vorläufigen Ergebnis der Schweineerhebung“ gewesen. Verrückte Welt: Eine knappe Million Schweine in der Mark waren keine Meldung wert, aber dieses eine in Neukölln schafft es garantiert in alle Lokalnachrichten.

Vielleicht handelt es sich beim Neuköllner Fall um Flucht, also eine individuelle Form der Schweineerhebung, die nun ebenfalls vorläufig geblieben ist. Strategisch mag das von vielen Muslimen bewohnte, von Veganern gentrifizierte und von Wölfen bisher gemiedene Neukölln als Zufluchtsort einleuchten. Aber möchte man als Schwein im Tierheim enden – beschallt vom Lärm aus den leidlich überfüllten Vogelbauern? Vielleicht meldet sich ja der Eigentümer noch, wenn er seinen inneren Schweinehund überwunden hat.

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