Berlin : Von Platzangst keine Spur

Barbara Clear spielt heute im fast leeren Velodrom. Ein Problem hat sie damit nicht

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Dass sie keinen Mut hat, kann man wirklich nicht behaupten. Auf eigene Faust, ohne eine Plattenfirma im Rücken, ohne je ein Lied in den Hitparaden gehabt zu haben, hat die Folkmusikerin Barbara Clear sechs große Konzerthallen in Deutschland und Österreich für ihre Tournee mit dem recht programmatischen Namen „Zwergenaufstand“ gebucht. Rund 250 000 Euro hat die 42-Jährige, die nur mit ihrer Gitarre die Bühne betritt, in diese investiert. Heute tritt sie im Berliner Velodrom auf – vor 500 Leuten, so viel Tickets wurden bislang verkauft. Unter finanziellen Gesichtspunkten ein Desaster. Die Kosten für die Halle, in die etwa 10 000 passen, übersteigen die Einnahmen aus den Ticketverkäufen um gut das 40-Fache.

Ein Grund zur Panik? Nicht für Barbara Clear. „Die bisher gespielten Konzerte in der Münchner (rund 3500) und der Innsbrucker Olympiahalle (rund 800 zahlende Zuschauer) liefen doch gut“, zeigte sich die Sängerin, die seit 25 Jahren auf der Bühne steht, gestern optimistisch. „Ich gehe davon aus, nach dem letzten Konzert im März 2007 in Frankfurt wenigstens die Kosten wieder eingespielt zu haben.“ Etwa 12 000 Besucher bräuchte sie dafür insgesamt.

Auf keinen Fall will sie das heutige Konzert absagen. „Die Halle muss ich ja sowieso bezahlen, und die Fans sind mir zu wichtig, als dass ich sie enttäuschen möchte“, sagte sie. „Außerdem ist das Erlebnis, eine Stimme in einer so großen Halle zu hören, so beeindruckend, das möchte ich selbst nicht missen.“

Auf die Idee, nicht nur kleine Clubs, sondern auch größte Hallen zu bespielen, kam sie schon vor ein paar Jahren. 2004 stand die Frau aus Bayern das erste Mal auf der Bühne der Münchner Olympiahalle. 8000 Menschen hörten damals zu. Ein unglaublicher Erfolg für die bis dahin kaum bekannte Musikerin. Die daraufhin eintrudelnden Angebote der Plattenfirmen schlug Clear trotzdem aus. Verrückt? „Den Satz, die Alte spinnt doch, den höre ich immer wieder“, sagt die Musikerin und lacht. „Doch meine Freiheit ist mir das Wichtigste, und ich glaube an mich und an meine Musik.“ Zusammen mit 500 Berlinern. mho

Velodrom, S-Bahnhof Landsberger Allee, heute 20 Uhr, Abendkasse 20 Euro

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