Berlin : Von Rädern und Richtern

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Früher einmal hat Jürgen Kipp dem Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts angeboten, ihn im Auto mitzunehmen. Kipp fährt einen Fiat Panda mit Faltdach, Baujahr 1989. Detlef Bitzer lehnte dankend ab und ließ erkennen, dass er das Auto durchaus nicht für angemessen hält. „Und dann fuhren Sie mit Ihrem Boliden vor“, erinnerte sich Kipp gestern lachend. Der frühere Vizepräsident des Bundesverwaltungsgerichts ist jetzt selbst OVGPräsident.

Hunderte von Justizmitarbeitern waren gestern in die Hardenbergstraße gekommen, um den 65-jährigen Bitzer nach 33 Gerichtsjahren in den Ruhestand zu verabschieden und seinen 55-jährigen Nachfolger zu begrüßen. Justizsenatorin Karin Schubert rühmte Bitzers Verdienste, in der Justiz wie auf dem Fußballfeld. In Erinnerung wird Bitzer auch wegen einiger Entscheidungen bleiben: Er ermöglichte im Januar 2000 der NPD den Marsch durchs Brandenburger Tor . Der, über den am meisten getuschelt wurde, kam aber nicht: Der abgewählte Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge. Er hatte sich am Freitag an seinen alten Schreibtisch zurückgeklagt.

Zugleich wurde das Gebäude symbolisch übergeben: Schubert hat es nämlich mit der ihr eigenen Mischung aus Charme und Unnachgiebigkeit ihren Genossen Hans Eichel und Gerhard Schröder abgeschwatzt. Die Berliner Justiz hat das traditionsreiche Haus also vom Bund zurückbekommen – ohne dafür zu zahlen. Jürgen Kipp reagierte auf das automobile Wettrüsten übrigens auf seine Weise. Ihm sei aufgefallen, dass Bitzer ein überaus unangemessenes Fahrrad besitze, sagte er. Deshalb hat er gesammelt. Und dann radelte ein Richter mit einem brandneuen Bike herein – Abschiedsgeschenk für Bitzer. fk

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