Von Spandau bis Neukölln : Hier entstehen neue Grabstellen für Muslime in Berlin

Schon lange gibt es Kritik, jetzt wird es konkret: Der Senat richtet mehr Grabstellen in Kiezen mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil ein.

Der Landschaftsfriedhof Gatow wurde in den 80ern erbaut; hier befindet sich auch das Grab von Hatun Sürücü.
Der Landschaftsfriedhof Gatow wurde in den 80ern erbaut; hier befindet sich auch das Grab von Hatun Sürücü.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Land Berlin stellt sich auf mehr Bestattungen nach islamischem Ritus ein. Der Senat plane wohnungsnahe Grabstellen in Stadtteilen mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil, erklärte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. In ihrer am Dienstag veröffentlichen Antwort auf eine Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus begründete sie dies unter anderem mit dem Zustrom muslimischer Flüchtlinge. In Berlin finden jährlich rund 30.000 Bestattungen statt, davon rund 200 auf besonderen Grabfeldern für Muslime.
Solche Bereiche gibt es bislang auf dem Friedhof Columbiadamm in Neukölln, Landschaftsfriedhof Gatow in Spandau - wo vor wenigen Tagen erst der Junge Mohamed bestattet worden ist - und dem evangelischen Neuen Zwölf-Apostel-Friedhof in Tempelhof-Schöneberg. Am Columbiadamm sind nur noch Nachbeisetzungen in bestehenden Grabstätten möglich. In Gatow gibt es noch zehn freie Grabstätten auf dem Grabfeld. Derzeit wird dort laut Lüscher ein weiteres Feld mit rund 250 Plätzen eingerichtet, ab Anfang 2016 soll es außerdem ein Feld für weitere 600 Einzelgräber geben. Seit Juni stehen auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Friedhof 300 Grabstellen für Muslime zur Verfügung, von denen zehn belegt und vier reserviert sind.

Der Islamische Friedhof in Berlin-Gatow
Der Landschaftsfriedhof Gatow wurde in den 80ern erbaut; hier befindet sich auch das Grab von Hatun Sürücü.Alle Bilder anzeigen
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23.01.2015 12:19Der Landschaftsfriedhof Gatow wurde in den 80ern erbaut; hier befindet sich auch das Grab von Hatun Sürücü.

Auch auf anderen Friedhöfen sind muslimische Grabfelder vorgesehen. So sind auf dem Friedhof Ruhleben in Charlottenburg-Wilmersdorf ab Anfang 2016 ein neues Grabfeld mit 125 Stellen geplant, auf dem evangelischen Sankt-Thomas-Friedhof in Neukölln 400 Grabstellen für die Alevitische Gemeinde.

Ein Raum für die rituellen Waschungen nach islamischer Tradition steht nur in Gatow zur Verfügung. Am Columbiadamm ist dies in Räumen der unmittelbar angrenzenden Moschee möglich. Einen Friedhof in muslimischer Trägerschaft hat Berlin noch nicht. Laut Lüscher gibt es jedoch erste Initiativen dazu. Ein geeigneter Träger, der einen solchen Friedhof langfristig und für Muslime verschiedener Glaubensrichtungen betreiben könne, habe sich jedoch „noch nicht herausgebildet“. Tsp/KNA

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