Von Tag zu Tag : 17.45 Uhr – raus!

Gerd Appenzeller wünscht sich einen besseren Stil in der Nationalgalerie

Das „Universum Klee“ in der Neuen Nationalgalerie ist ein Publikumsmagnet. Letzten Sonntag war’s, Kunstfreunde aus aller Welt in den Ausstellungsräumen, es gibt so viel zu sehen, und um 18 Uhr wird geschlossen. Da tönt ein heiseres Quäken durch die Säle, dem Geräusch alter Bahnhofslautsprecher ähnlich. Um 17.45 Uhr schließt der Museumsshop, versteht man, also 15 Minuten, bevor die Ausstellung selbst geschlossen wird. Ein Hasten und Rennen hebt an. Schließlich kauft niemand seine Kataloge, Poster und Postkarten vor dem Ausstellungsbesuch. Man ahnt die Absicht hinter der Terminsetzung: Das Personal will pünktlich Feierabend haben. Das klappt auch, die Ausstellung leert sich geschwind. Stattdessen nun Gedrängel im Museumsshop. Ein Wachmann, gepierct, tätowiert, steht drohend an der Tür und klopft dauernd auf seine Armbanduhr: Los, los, bedeutet das. Dann geht das Licht im Shop aus, rein kommt niemand mehr. Worte des Unverständnisses auf Englisch, Spanisch, Deutsch. Viele gehen enttäuscht ohne Katalog hinaus. Was sicher haften bleibt bei den Besuchern, sind nicht nur Klees Bilder, sondern auch dieser ruppige Umgangsstil.

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