Von Tag zu Tag : 355 Hellebarden!

Durch einen Software-Fehler ging die Polizei bislang von weitaus mehr Schusswaffen in Berlin aus als es tatsächlich gibt. Unser Autor amüsiert sich über diese Abrüstung Berlins.

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Über die Waffen der Berliner im Jahr 1623 wissen wir gut Bescheid: 498 Gewehre, 269 Spieße, 355 Hellebarden, sieben Kanonen – zu wenig, um im 30-jährigen Krieg feindliche Heere erfolgreich abzuwehren, aber immerhin eine präzise Zahl, mittels Durchzählen leicht festzustellen. Und es wären auch durch zweites Durchzählen kaum weniger Waffen geworden, vielleicht sogar mehr. Traumhafte Zeiten, vom Krieg mal abgesehen. Denn man stelle sich vor, die in Berlin damals ansässigen Wehrbürger wären auf Computer angewiesen gewesen wie die heutige Polizei, die durch endlich erkannte Softwarefehler die Stadt unversehens abgerüstet sieht, weil die Zahl der registrierten Waffen niedriger als gedacht ausfällt. Während Wallenstein oder Gustav Adolf mit ihren Landsknechten schon vor den Wällen stehen, wirft der oberste Kriegsherr noch mal den Rechner an und stellt fest, dass es doch nur 100 Gewehre sind, weniger Spieße, Hellebarden und eine einzige Kanone – ohne Pulver! Damals kam man für derlei an den Pranger, heute steht es nur in der Zeitung.

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