Von Tag zu Tag : Abgefahren

Andreas Conrad muss sein Cabrio jetzt aber wirklich wieder einmotten

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Wie alle Manifestationen menschlichen Treibens ist auch die Sprache modischen Schwankungen unterworfen. Sie wandelt sich von Generation zu Generation, von Jahr zu Jahr, ja selbst von Saison zu Saison. Dieser Tage besonders populär: die Vorsilbe ab-. Zu jahreszeitunabhängigen Wörtern wie abhängen, abhaken, abhauen, ablästern, abfackeln gesellen sich Wortschöpfungen wie absegeln oder abangeln, ja selbst vom Abgrillen oder Abrollern hört man bisweilen. All diesen Dreisilbern wohnt ein Aufbegehren gegen die Vergänglichkeit allen Seins inne: Ein letztes Mal, und zwar hochbewusst und möglichst mit Publikum, will man genießen, bevor das dazu nötige Instrument für die nächsten Monate eingemottet wird, sei es Boot, Angel, Grill, Roller oder Cabrio, das sich leider nicht in Verbform gießen und mit einem Präfix versehen lässt. Abcabriolen? Wie klingt denn das! Wie auch immer: Der Drang zu solch ritualisiertem Tun ist offenbar groß, das Bedürfnis, dieses dann auch zu verbalisieren, ebenso, und so kann man nur hoffen, dass die Sonne des Wochenendes noch recht lange anhält, auf dass ein jeglicher abgesegelt, -geangelt, -gegrillt, -gerollert und selbst -gecabriolt hat, wenn der erste Schnee fällt.

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