Von Tag zu Tag : Abstiegskampf

Bernd Matthies über den Verfall der Siegessäule und seine Gründe

Bernd Matthies

An Kriege erinnern wir uns nicht so gern, und speziell mit Frankreich und Dänemark leben wir schon lange in tiefem Frieden. Vielleicht ist die Berliner Siegessäule, die nach den gloriosen Feldzügen gegen diese Länder gebaut wurde, auch deshalb ins Abseits geraten: Sie hat keine politisch gerade erwünschte Botschaft zu verkünden, erinnert an kein Schicksal irgendeiner noch so winzigen mobilen ethnischen Minderheit und rüttelt auch in Sachen Klimakatastrophe niemanden auf. Sie steht einfach nur so da im tosenden Verkehr und bröckelt – vermüllt, verschmiert, verrostet. Ein Wahrzeichen im Abstiegskampf.

Wer jetzt wofür zuständig ist und wer nicht, wer wem Geld für die Sanierung geben sollte und wer sich sonst noch über den Vorgang äußert, das lesen Sie hier nebenan. Es erinnert, zusammengefasst, sehr stark an das legendäre Schicksal des Buchbindermeisters Wanninger und lässt die Vermutung zu, dass die Siegessäule irgendwann in einer Staubwolke zusammensackt, ohne dass den beteiligten Behörden auch nur der geringste Vorwurf zu machen wäre.

Wirtschaftsstadtrat Zeller möchte die Goldelse jetzt am liebsten verschenken. Ob der Senat zugreift? Falls nicht, geht sie vermutlich bald bei Ebay weg. Dann wäre immerhin Platz für ein schönes neues, politisch erwünschtes Mahnmal.

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