Von Tag zu Tag : Ätschebätsche

Bernd Matthies könnte sich die Polizei auch etwas bürgernäher vorstellen.

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Heiligensee wird gegenwärtig durch eine Dauerbaustelle gequält, der kein Senator mit dem Prämienturbo Dampf macht – normal. Doch um so anfälliger ist der Ortsteil, wenn noch etwas dazu schief geht. Im Juni brannte an der Einfahrt Schulzendorfer Straße ein Reisebus, Einfahrt und Autobahn in Richtung Tegel mussten gesperrt werden. Immer in solchen Fällen verstopft ein Strom irrlichternder Autos die nahen Wohnstraßen. Ortskundige wissen es besser: Sie fahren rasch und illegal über die Ruppiner Chaussee nach Tegel. Sie ist gesperrt aus Gründen, die in alter West-Berliner Zeit versunken sind; dennoch rumpelt täglich wohl hundert Mal der Bus der Linie 124 hindurch.

Was soll die Polizei nun tun? Die bürgernahe Polizei würde alle einsetzbaren Kräfte zusammenziehen und versuchen, den Verkehr zu regeln und zu lenken, und sie würde Rat geben und, um den Druck rauszunehmen, gnädig mitteilen: Fahren Sie da mal ausnahmsweise durch, die Wildschweine werden es überleben.

Die korrekte Polizei würde still abwarten, bis es vorbei ist, und dann die Absperrungen an der Autobahneinfahrt wieder wegräumen.

Die strenge Polizei würde sich den gesetzlosen Fahrern in den Weg stellen und sagen: Unfall gut und schön, aber hier ist verboten, warum, keine Ahnung, der letzte Kollege, der es wusste, wurde grad pensioniert, egal. Zurück in den Stau!

Die Reinickendorfer Polizei allerdings wählte diesmal die vierte von drei Möglichkeiten. Sie ordnete zwei Beamte, darunter einen echten Hauptkommissar, in den Wald ab und ließ sie säuberlich notieren, wer da alles illegal durchfuhr – die Knöllchen kamen später, Stück 20 Euro. Ätschebätsche!

Es ging also um die günstige Gelegenheit, ein wenig Geld einzusammeln, oder? Nein! Der zuständige Polizeidirektor widerspricht: Man habe da einige Anwohner, die sich hartnäckig über jedes illegal fahrende Auto beschwerten, auch denen müsse man gerecht werden. Und: Dass die beiden Beamten zu diesem Zeitpunkt dort gestanden hätten, sei reiner Zufall gewesen, sie hätten von dem Unfall nichts gewusst.

Das mag man glauben oder nicht – diese Art Zufall kommt dort droben öfter vor. Aber selbst wenn: Wie peinlich ist das denn? Knapp einen Kilometer von der rauchenden Busruine entfernt?

Ja, eine Petitesse. Aber wenn die Polizei sich fragt, warum sie bei den Bürgern oft so wenig Rückhalt hat, mögen auch solche Dinge von Interesse sein.

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