Berlin : Von Tag zu Tag: Alles Gewinner

Christian van Lessen

Viele erlebten ihn zum ersten Mal: den berühmten Berliner Marathon, der immer noch berühmter zu werden scheint. Sie liefen ihn mit oder standen am Rand der Strecke und stellten verblüfft fest: Das sind mehr als 42 Kilometer schweißtreibendes Laufen oder Rollen. Mehr als simples Zuschauen. Das sind gut 42 Kilometer, auf denen sich viel Menschlichkeit erproben lässt. Fairness, das Mitgefühl und die Anerkennung der Leistung jedes Einzelnen, der sich auf den langen Weg durch die Stadt machte.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Da ist fast unwichtig, dass wieder einmal ein Weltrekord erzielt worden ist. Gewonnen haben alle - ganz einfach, weil sie es schafften, dabei zu sein: Die Rollstuhlfahrer, die Inline-Skater, die vielen tausend Schulkinder des Mini-Marathons und die Power-Walker, die den Berlin-Marathon zu einer immer größeren Veranstaltung machen. Die aber ohne das Publikum nichts wäre.

Es verteilte gleichmäßig und mit einer bewundernswerter Ausdauer stürmischen Beifall. Es pfiff, trällerte und rasselte mit den merkwürdigsten Geräten. Und harrte zu einem Großteil stundenlang aus, um auch den Letzten nicht den Rücken zu kehren. Da viele Menschen immer ungeduldiger werden und - erst recht in Berlin - nie so richtig Zeit haben, ist das schon ein Phänomen.

Sie nahmen sich Zeit, um die zu bejubeln, die in Eile waren. Und die in Eile waren, genossen diese Stunden. Am Kottbusser Damm aber riefen sie vom Straßenrand einem der Läufer zu, er möge doch bitte schnell den kleinen Umweg zum Urbankrankenhaus nehmen, denn er sei gerade Vater einer Tochter geworden. Der Mann stieg sofort aus dem Rennen. Er durfte sich schon nach 17 Kilometern als Gewinner fühlen.

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