Von Tag zu Tag : Alles Haile

Andreas Conrad wünscht sich lieber heile Knochen als einen Marathon-Sieg

Andreas Conrad

Wir wissen nicht, welches aufmunterende Wort jenem legendären Boten mit auf den Weg gegeben wurde, der 490 v. Chr. die Botschaft vom Sieg bei Marathon gen Athen zu tragen hatte. Man muss das auch nicht wissen, es hat bekanntlich nichts genützt, der Läufer konnte nur noch „Sieg“ röcheln und verschied. Auch mit dem reichhaltigen Zuspruch am Berliner Wegesrand ist das so eine Sache.Er ist erfreulich, wird aber vermutlich in seiner Wirkung überschätzt. Nehmen wir nur „Komm Haile an“, zu lesen auf einem Schild. Der Sieger hatte derlei nicht nötig, war so schnell, dass ihm zeitweise die Zuschauer abhanden zu kommen schienen, die mit so viel Eile nicht gerechnet hatten. Nötig hatten es ganz andere, die mit dem Voranschreiten der Zeit immer mühsamer über den Asphalt krochen und sich wohl bald zum nächsten Orthopäden schleppen müssen, um mit letzter Kraft zu jammern: „Bin nicht Haile angekommen.“

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