Berlin : Von Tag zu Tag: Alles in Butter

Ekkehard Schwerk

Das Butterbrot ist zuinnerst eine deutsche Sache. Da lassen wir uns von niemandem die Butter vom Brot nehmen, auch wenn sich das Sandwich, diese labbrige Abart des kernigen Butterbrotes hierzulande mehr und mehr einschleicht. Das Butterbrot blieb sogar im Russischen deutsch wie auch der Kindergarten und - halten zu Gnaden: der Büstenhalter (Bjustgalter). Was liegt an?

Gestern fand in aller Herrgottsfrühe für drei Stunden ein "Tag des deutschen Butterbrotes" statt und zwar auf dem Bahnhof Zoo und den Flughäfen. Dahinter steckt die Butterlobby. Sie verteilte Stullen und rief: "Alles in Butter!" Das hat immerhin seine Berliner Herkunft. Ein Berliner Wirt - ist schon lange her - hatte im entflammten Konkurrenzkampf mit den Margarineherstellern seinen Gästen kundgetan, dass bei ihm alles in Butter gekocht werde. In "guter Butter", wie es noch etliche Nachkriegsjahre hindurch zur Hervorhebung dieses Milchproduktes Redensart war. Ich erinnere mich, wie am damaligen Rudolph-Wilde-Platz in Schöneberg ein Restaurant am Fenster mit "guter Butter" warb, mit der man dort kochte.

Nun müssen wir uns bezüglich des bis heute mehr oder weniger tobenden Konkurrenz- oder Glaubenskampfes zwischen den Butteristen und Margarinisten vergegenwärtigen, dass Frankreich den "Streit" vom Zaune gebrochen hatte. Es war unter Napoleon III. ein französischer Wissenschaftler, der 1869 die Margarine erfand. Sie drang 1875 nach Deutschland vor.

Nun wollen wir unseren französischen Nachbarn diese Margarine nicht vorwurfsvoll "aufs Butterbrot schmieren", wo doch in unserem Verhältnis längst alles in Butter ist - mal dicker, mal dünner gestrichen.

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