Berlin : Von Tag zu Tag: Allzeit Mayonnaise

Sigrid Kneist

London ist ja bekanntlich eine Metropole, so wie New York oder Paris. Da kann man nämlich wunderbar einkaufen, ohne dieses lästige typisch deutsche Ladenschlussgesetz. Berlin ist noch keine so schöne Metropole, finden die hiesigen Handelsliberalisierer. Denn hier darf man das nicht.

So können die Streiter für unbegrenztes Shoppen es einfach nicht lassen. Wenn auf Bundesebene schon keine politischen Mehrheiten zu erreichen sind, dann versuchen sie es eben klein-klein, die derzeitigen Regelungen zu umgehen. Wie jetzt in Prenzlauer Berg. Nicht erst seit Präsident Clinton im Gugelhof speiste, gehört der Kollwitzplatz zur Rennstrecke der Touristenscharen. Das passt, dann könnte doch die Umgebung einfach zum touristischen Einkaufsgebiet erklärt werden, denken sich die Bezirkspolitiker. Schon dürfte man dort auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten erwerben, was das - allerdings touristische - Herz begehrt. Metropole Prenzlauer Berg.

Aber auch Shoppen rund um die Uhr hat seine Grenzen. Denn was neulich aus London zu hören war, ist wahrlich einer Metropole nicht angemessen. Beinahe hätte der im Ausland weilende Prince Charles auf seine Lieblingsmayonnaise verzichten müssen. Denn als die Order am späten Nachmittag kam, war sie kaum aufzutreiben. Die meisten Geschäfte hatten geschlossen. Aber Mayonnaise würde man in Prenzlauer Berg doch schon jetzt auch zur Nachtzeit auftreiben. Der Currywurstbude sei Dank. Da zeigt sich doch der wahre Metropolencharakter.

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