Von Tag zu Tag : Am Kanal

Andreas Conrad würde niemals über sieben Brücken gehen

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Als Spaziergänger steht man in Berlin mitunter vor unerwarteten Entscheidungen. Zum Beispiel wenn man, egal in welche Richtung, die Kreuzberger Möckernstraße entlangspaziert und den Landwehrkanal überqueren will. Unten oder oben – das ist hier die Frage. Also entweder auf dem Bürgersteig der alten Möckernbrücke, samt zweifachem Ampelüberweg, oder über den sogenannten Anhalter Steg, der seit neun Jahren direkt daneben den Kanal überspannt, hübsch anzusehen, an ein längst verschwundenes Bahnviadukt erinnernd, doch auch Anlass zu manchem Stirnrunzeln: Für solchen Schnickschnack hatte man damals in Berlin noch Geld? Doch, man hatte, und man hat es noch immer, diesmal für ein nordwestlicher gelegenes Brückenprojekt und erneut finanziert durch Ausgleichsmittel für das Areal am Potsdamer und Leipziger Platz. Die sind gewiss hochwillkommen, fragt sich nur, ob sich dafür nicht eine dringlichere Verwendung gefunden hätte als zwei Brücken von nur begrenztem Gebrauchswert. Immerhin, es bleibt beruhigend, dass das Geld nur für zwei statt beispielsweise sieben Brücken reicht – oder gleich die Überdeckelung des ganzen Kanals.

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