Berlin : Von Tag zu Tag: An der Ordensfront

Andreas Conrad

Für die Jagdpiloten der kaiserlichen Luftflotte war der "Blaue Max" das höchste der Gefühle. Rasch hatte sich dieser Ordensname bei ihnen eingebürgert, entsprach ihrem Patriotismus auch mehr als das offizielle "Pour le mérite", das noch auf den Franzosentick seines Stifters, des alten Fritz, zurückging. Der "Blaue Max" - das zielte auf die Farbe des Kreuzes wie auch den Jagdflieger (und Ordensträger) Max Immelmann, leider 1916 über Nordfrankreich abgeschossen. Die Erfindung der nach ihm benannten Kunstflugfigur aus halbem Looping und halber Rolle hatte ihm nicht geholfen.

Sollte man sich also im Bendlerblock zur Neuauflage des Eisernen Kreuzes für unsere Jungs in Afghanistan entschließen - einen populären Namen für das ehrenvolle Blech hätten wir schon. Der Ordensvorschlag stammt vom CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, mit Blick auf ihn wie auf die Farbe des Kreuzes liegt der "Schwarze Martin" nahe. Die herkömmlichen Namen EK I, EK II, Ritterkreuz könnten bei den Verbündeten leicht missverstanden werden. Schon die offizielle Bezeichnung Schutztruppe ist nicht ganz ohne, erinnert vertrackt an die Zeit deutscher Kolonialhelden wie Lettow-Vorbeck.

Immerhin hat unser Nationalheiliger Karl-Friedrich Schinkel das Eiserne Kreuz entworfen, gestiftet wurde der Orden 1813 von Friedrich Wilhelm III. für militärische Verdienste in den Befreiungskriegen. Ein Jahr später kam der Luisen-Orden dazu, Frauen zugedacht, die "den Männern unserer tapferen Heere ... in pflegender Sorgfalt Labsal und Linderung" brachten. Unerhört, dass der schwarze Martin daran nicht gedacht hat. Also, Hinterbänkler, an die Ordensfront!

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