Von Tag zu Tag : Ausgesperrt

Andreas Conrad singt das Hohelied des Ersatzschlüssels

In Weil am Rhein begab es sich unlängst, dass ein Mann des Nachts ein dringendes Bedürfnis verspürte, sich schlaftrunken Richtung Toilette aufmachte, dabei nur leider die Richtung verwechselte. Das bemerkte er erst, als die Haustür schon ins Schloss gefallen war: er draußen, splitternackt, die Blöße nur mit einem zufällig herumstehenden Wäschekorb bedeckt, dazu das Klo unerreichbar – ein Albtraum, aus dem ihn erst die von Nachbarn alarmierte Polizei befreite. So gesehen erging es dem S-Bahnbediensteten weitaus besser, der – warum auch immer – kurz sein Stellwerkhäuschen verließ und plötzlich zwar bekleidet, doch ebenso ohne Schlüssel draußen vor der Tür stand. Der Arme, er hat unser aller Mitgefühl! So hart mit der S-Bahn in den letzten Monaten zu Recht umgesprungen wurde – die Situation des Ausgeschlossenseins, ob aus dem Auto oder der Wohnung, kennt doch jeder, aus eigener Erfahrung, aus Erzählungen, aus dem Kino. Wie oft hat es nicht in Komödien den heimlichen Liebhaber getroffen, der dann zähneklappernd, sogar ohne Wäschekorb auf dem Balkon ausharren musste – eine Konstellation, die man für ein Stellwerk gewiss ausschließen kann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar