Von Tag zu Tag : Bahnhof wo?

Klaus Kurpjuweit schaut am Zoo nicht nur dem ICE hinterher.

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Der arme Bahnhof Zoo. Einst war er bundesweit bekannt, allerdings vor allem durch das Drogenproblem von Christiane F., weniger für das tolle Zugangebot. Jetzt schrumpft er weiter. Erst hat ihm die Bahn den Fernverkehr weggenommen – und nun halten nicht einmal mehr alle S-Bahnen. Seit Montag rauschen die Züge Richtung Westen einfach durch die Halle. Wie es bereits seit Mai 2006 auf den Nachbargleisen die flotten ICEs vormachen.

Eine neue Prostestwelle rollt aber nicht an. Schließlich wissen die gewieften Fahrgäste, dass in zwei Wochen auch wieder alle S-Bahnen halten werden. Nur baubedingt ignorieren sie jetzt vorübergehend den einstigen Bahnmittelpunkt von West-Berlin. Und das für einen guten Zweck. Der Bahnsteig erhält endlich Blindenleitstreifen.

Das Durchfahren haben die meisten Fahrgäste am Montag gut weggesteckt, auch wenn Hinweisschilder auf den vor dem Zoo liegenden Bahnhöfen nicht immer leicht zu entdecken waren. Die elektronischen Anzeigen wiesen aber in der Regel auf die neue Situation hin – wenn sie nicht gerade ausgefallen waren. Und in den meisten Zügen waren die Anzeigen und Durchsagen der nächsten Halte einfach ausgeschaltet. Hin und wieder kündigte die Automatik aber doch den Stopp im Bahnhof Zoo an, was der Fahrer aber umgehend korrigierte. Dass die Durchsage kaum zu verstehen war – fast egal. Schließlich zählt die gute Absicht.

Beim Fernverkehr hat die Bahn dagegen keine Absicht, wieder Züge halten zu lassen. Hier bleiben der Bahnhof Zoo – und die Fahrgäste – arm dran.

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