Berlin : Von Tag zu Tag: Bamberger Beobachter

Matthias Oloew

Der Ruf der großen Stadt ereilt jeden zu seiner Zeit. Die Abgeordneten des Bundestages kommen zur Sitzungswoche. Die Raver der Welt zur Love Parade. Und die Polizisten der Republik zum 1. Mai. Da ist Randale in der Stadt, und jeder soll oder darf mal nach Berlin. So auch die Damen und Herren aus Bamberg. Sie sind eingerückt, um, wie Hundertschaften aus anderen Städten auch, die Berliner Kollegen zu entlasten. Endlich mal etwas anderes, werden sich die Bamberger gedacht haben. Statt Streife zwischen Dom und Kloster St. Michael Patrouillendienst am Alexanderplatz oder Kurfürstendamm.

So aber hatten sich die Bamberger das nicht vorgestellt: Statt auf die pittoresken Fassaden der fränkischen Altstadt gucken sie auf die Häuser zwischen Lützowplatz und An der Urania. Die Aufgabe: Die Kreuzungen beobachten und Verdächtiges melden. Arme Bamberger! Was sollen sie nur erzählen, wenn sie wieder daheim sind? Gott, wie langweilig, dieses Berlin?

Gemach. Zu den Orten, die die Bamberger zu observieren hatten, gehörte auch der Tiergarten. Nicht gerade eine Brutstätte autonomer Gewalt, dafür aber ein echter Hingucker bei diesem Wetter: Nackte, Grillpartys, noch mehr Nackte, Herrentreff an der Löwenbrücke, noch viel mehr Nackte. Und die Krawalle? werden die Familien in Bamberg fragen. Ach, werden die Polizisten sagen, nichts Besonderes. Eigentlich.

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