Berlin : Von Tag zu Tag: Bankgeheimnis

Was eine sichere Bank sei, sollte man in Berlin lieber nicht mehr fragen. Jedenfalls keinen, der früher aus lokalpatriotischen Erwägungen allein auf das hier ansässige, Berlin sogar im Namen tragende Geflecht von Geldinstituten geschworen hätte. Jetzt würde er der Frage wohl ausweichen, erst stottern, dann womöglich auf die Sitzgelegenheiten im Zoologischen Garten verweisen. Jeder, der dort eine Bank spende, habe Anspruch auf eine unverwüstliche Plakette mit seinem eingravierten Namen, derlei überdauere sogar die einst als so hart eingestufte Mark. Das sei nun wirklich eine sichere Bank.

Für deren späteren Nutzer bleibt ein Restrisiko. Gerade vor populärem Getier (Elefanten, Flusspferde, Paviane) kann man nie sicher sein, ob die erwünschte Sitzgelegenheit auch wirklich frei oder von einer mümmelnden Kita-Gruppe, einem tierlieben Damenkränzchen gar auf Stunden okkupiert ist. Eine nicht zu kleine Liste von Ausweichstätten wäre für den Ruhesuchenden dann wünschenswert, zur Not muss er eben auf Elefanten, Flusspferde, Paviane verzichten.

Die Ossietzkystraße in Pankow, das Teilstück zwischen Breiter und Wolfshagener Straße, sollte auf der Liste ganz oben stehen. Exotika sucht man vergebens, eines aber findet man sicher: eine Bank. Auf 70 Metern verteilen sich neun dieser Straßenmöbel, jeweils mit Abfallkorb. Eine Fülle an Sitzgelegenheiten, die irgendwie aus einer geheimnisvollen Schere zwischen zweckgebundenen Senatsmitteln für Sanierungsgebiete und nicht ganz realisierbaren Architektenwünschen entstand. Berlin, so heißt es immer, sei finanziell verdammt arm dran. Mit der Pankower Bankenlandschaft aber zumindest um einen potenziellen Guinnessrekord reicher.

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