Berlin : Von Tag zu Tag: Baum und Borke

Andreas Conrad

Pappkameraden sind zäher als man denkt. Drei Wochen liegen die Berliner Wahlen zurück, dennoch existieren sie weiter, politische Überlebenskünstler, die Wind und Wetter trotzen. Gleichwohl, eine aussterbende Gattung. Das muss niemanden grämen, man fahre nur raus ins Umland: Pappkameraden, wohin man schaut, allesamt auf Stimmenfang für die heute anstehenden Bürgermeisterwahlen. Nun dürfen auch die Fahnenflüchtigen ihr Kreuzchen machen, die Ex-Berliner, die in der Stadt weiter ihr Geld verdienen, es aber anderenorts versteuern und bei Wahlen wie der zurückliegenden nie recht wissen, ob sie das nun noch interessieren sollte. Ein Leben zwischen Baum und Borken, das haben sie nun davon. Selbst durch Briefwahl ist der Irritation nicht zu entkommen. In Berlin, sie erinnern sich genau, war die gratis, doch nun das: Der Anforderungsschein für die Unterlagen zur Bürgermeisterwahl in Kleinmachnow sei ausreichend zu frankieren, stand es gedruckt. Ein Mark sollte einem die Wahl also mindestens wert sein, will man nicht persönlich zum Gemeindeamt tippeln. Eine verkappte Wahlgebühr - unerhört! Andererseits: Müssen wir nicht alle unsere Groschen beisammenhalten? Also, werte Frau Finanzsenatorin: Von Kleinmachnow lernen, heißt sparen lernen.

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