Berlin : Von Tag zu Tag: Berlin, Babylon

Andreas Conrad

Wenn Berlin mal wieder ganz hoch hinaus will, sieht es sich gerne mit Babylon verglichen. Das hat sich spätestens in den Roaring Twenties so eingebürgert, als Josephine Baker in der Stadt ihre Bananenblätter flattern ließ, als selbst der gesetzte Bürger mit schwarzer oder weißer Maske gerne mal im Kabarett "Weißen Maus" verkehrte oder gar in Homo-Bars wie dem Eldorado - kurz: als Berlin ein wahres Sündenbabel war. Dieser Ruf ist längst perdu, und alle Anstrengungen, ihn zu erneuern, scheiterten bislang. Nun aber dämmert Hoffnung herauf, aus allerdings überraschender Ecke: die "7 Shopping Weekends". Leider sind Nackttanz und flatternde Bananenblätter dabei noch nicht in Sicht, aber das babylonische Chaos, das uns auch diesmal wieder droht, nimmt nun wirklich schon alttestamentarisches Ausmaß an. Eine Übertreibung? Dann versuchen Sie doch bitte mal, in dem Durcheinander von gar nicht, ein wenig, sehr oder gar massiv verlängerten Ladenöffnungszeiten den Überblick zu behalten. Die Verwirrung beim Turmbau zu Babel war nichts degegen.

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